Band 
Erster Band.
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4t2 Geschichte der alten Welt.

siegen, wie in der Despotie, Leidenschaft, Parteiwuth und Aber-glauben über alles Recht. Kommt nun gar noch der verderblicheEinfluß von Reichthum und Luxus hinzu, so ist nichts mehr heilig,und Alles wird der Herrschsucht und Habgier der Einzelnen undder Parteien geopfert. Freilich weckt und belebt ein solches Staats-leben auch alle Kräfte des Geistes, und neben der Leidenschaft wer-den auch die Talente angeregt und entwickelt. Der athenische Staatbildete daher noch immer den entschiedensten Gegensatz gegen dieReiche des Orients, in welchen das Glück stets nur von einemEinzigen abhing, der die Maschine des Ganzen leitete, und mitwillkürlicher Gewalt jeden Streit entschied. In Athen dagegen warder Zustand des Staates das Werk der eigenthümlichen Bestreb-ungen aller Einzelnen, ihrer sich gegenseitig fördernden und hemm-enden Tugenden und Laster und des von ihnen gemeinschaftlichfestgestellten Gesetzes. Übrigens war der bessere Theil der Athenernatürlich der zu einer wahren Tyrannei gewordenen Demokratieabgeneigt, und strebte, obgleich vergebens, nach einer Aristokratieim alten und guten Sinne des Worts. Dies geben auch die besserenSchriftsteller jener Zeit, ein Thucydides, ein Aristophanes, einPlato, zu erkennen, obgleich sie nicht in den Irrthum des ebenfallsaristokratischen Geschichtschreibers Xenophon verfielen, welcher diespartanische Oligarchie als eine für Athen wünschenswertste Ver-fassung ansah.

Ein besonders großer Nachtheil, den der Reichthum Athen'sund der so außerordentlich vermehrte Geldumlauf diesem Staateund dem gesammten übrigen Griechenland brachten, war das Söld-nerwesen, welches von der letzten Zeit des fünften Jahrhundertsp. Chr. an in hohein Grade zunahm. Die Athener waren durchihre ausgedehnte Herrschaft genöthigt, viele Söldner in Dienst zunehmen; die große Zahl von fremden Truppen aber, welche sieunterhalten mußten, wurde dem Staat und seinen Finanzen aufeben dieselbe Weise verderblich, wie den Holländern ihre über-seeischen Besitzungen geworden sind, und wie auch den Engländernfrüher oder später ihr indisches Reich nachteilig werden wird.Während vorher nur Kreter und Arkader sich als Söldner an-werben ließen, wurde durch das athenische Geld der Kriegsdienstzum einträglichsten Gewerbe gemacht, und ganz Griechenland in