Griechen. Perikles und Athen.
für eines der größten galt, gab es zu Perikles Zeit athenischeBürger, welche, wie der berühmte Nicias, hundert Talente besaßen,und allein in den ihnen gehörenden Bergwerken tausend Sklavenhielten. Ein anderer wegen seines Reichthums berühmter Mann,Kallias, welcher kurz vor Perikles lebte, war so wohlhabend, daßer im Stande war, eine ihm auferlegte Geldstrafe von fünfzig Ta-lenten s> 30,00!) st. oder 72,600 Thlrn.) zu bezahlen. Das ererbte Ver-mögen des Alcibiades endlich wurde auf mehr als hundert Talenteangeschlagen. Zu allem diesem kommt noch, daß zu Perikles Zeitdie Lebensbedürfnisse sehr wohlfeil und die Erwerbsmittel mannich-faltig und leicht waren. Es konnte also ein Athener, ohne bedeu-tenden Nachtheil für sein Hauswesen, den größten Theil seinerZeit den Künsten, der philosophischen Unterhaltung und allen Artenvon geistreicher Geselligkeit widmen.
Die ungeheure Macht und der große Reichthum Athen's hat-ten übrigens auch sehr nachtheilige Folgen. Schon der bedeutendeKriegssold allein konnte einen Bürger reich machen; denn zu Pe-rikles Zeit betrug der tägliche Sold eines Reiters nebst seiner Ver-pflegung zwölf Obolen (52 kr. oder 11'/- Groschen), soviel Ge-traide aber, als ein Mann zur täglichen Nahrung braucht, kostetezwei und dreißigmal weniger. Dies und der leichte Erwerb desGeldes überhaupt hatte zur Folge, daß Stadt und Land mit vor-nehmen Müßiggängern angefüllt wurden. Die entstehende Ungleich-heit des Vermögens brachte, verbunden mit der bis zum äußerstenGrade entwickelten Volksherrschaft, einen furchtbaren Despotismusder schlechteren Klaffe von Reichen gegen die Ärmeren hervor, in-dem gerade die besseren und edleren Reichen stets der Gegenstandder Verfolgung des gemeinen Haufens blieben. Noch zur Zeit desBeginns der Perser-Kriege waren die Reste der alten Aristokratiegeachtet, und hielten die andern Bürger in einer gewissen ehrer-bietigen Ferne; jetzt dagegen, wo das demokratische Leben durch alleAdern des athenischen Volks verbreitet war, bestand eine wahreTyrannei des Pöbels; der Übermuth des Reichthums kannte keineSchranken mehr, und übte einen verderblichen Einfluß auf dieRegierung und die Sitten aus. In der Republik steht, wie in derMonarchie, nur dann Alles wohl, wenn das Gesetz herrscht; artetihre Verfassung aber in Ochlokratie oder Pöbelherrschaft aus, dann