Griechen. Von Cimon's Tod bis z»m peloponn. Krieg. iZI
der Übermacht der Athener nicht gewachsen. Sie mußten nachneunmonatlicher Belagerung sich ergeben, und wurden, wie früherdie Aegineten und später die Lesbier, Melier und andere abge-fallene Verbündete, mit großer Härte behandelt: ihre Insel wardznm Theil verwüstet, alle ihre Kriegsschiffe wurden weggenommen,ihre Festungswerke geschleift, und sie mußten außerdem die Kriegs-kosten bezahlen und Geißeln geben. Bei der Ehrenfeicr, durchwelche nach der Rückkehr der Flotte wie gewöhnlich das Andenkender Gebliebenen zu Athen verherrlicht wurde, hielt Perikles dieLeichenrede, und erweckte durch seine Worte eine solche Begeisterungin den Zuhörern, daß, als er von der Rednerbühne Herabstieg, dieFrauen ihn, gleich den Siegern in den öffentlichen Spielen, mitKränzen und Bändern schmückten. Nur Elpinice, die SchwesterCimon's, nahin keinen Theil an dieser Verherrlichung des Perikles,sondern rief vielmehr im Geiste ihres Bruders dem Redner zu:„Ist das eine so große That und der Bekränzung werth, daß duviele wackere Mitbürger in den Tod geführt hast, nicht um diePerser, sondern um stammverwandte und verbündete Griechen zubesiegen?"
Die Athener waren setzt im unbestrittenen und alleinigenBesitz der Herrschaft zur See; kein anderer Seestaat war ihnengewachsen; selbst dorische Pflanzstädte wie Bpzanz und Potidäahuldigten ihnen und nahmen ihre Befehle an, und sogar bis inden Hintergrund des schwarzen Meeres erstreckte sich ihr gebieten-der Einfluß. An der asiatischen Küste dieses Meeres vertrieben sienm jene Zeit den Tyrannen von Sinope, und siedelten sechshundertBürger aus ihrer Mitte ebenso auf seinen Gütern an, wie sie nichtlange vorher auf dem thracischcn Chersvnes, in der Nähe vonAmisus und an andern Orten Colonieen gegründet, und 444 vorChr. das zerstörte Sybaris in Italien unter dem Namen Thuriumwieder hergestellt hatten. Wegen dieser großen Macht, deren ent-scheidender Einfluß sich von Cypern und von der Nähe des Kau-kasus an bis zu den griechischen Pflanzstädten im Westen erstreckte,kannte aber auch der Übermuth des so schnell groß gewordenenathenischen Volks keine Grenzen mehr. Die große Menge der Athenerwurde von ihrem Stolze, ihrer Herrschsucht und den Eindrücken desAugenblicks geleitet. Schon damals träumten sie von der Unter-