Griechen. Peloponnesischer Krieg bis auf Perikles Tob. 423
brach jetzt in einen offenen Kampf aus, welcher eine der Veran-lassungen des peloponnesischen Krieges wurde. In der illprischenStadt Epidamnus oder Dyrrhachium nämlich, welche die Korcyräerin Gemeinschaft mit den Korinthern gegründet hatten, und in der,wie in allen griechischen Staaten, die demokratische Partei mit demAdel im Streite lag, wurde der letztere endlich aus der Stadt ver-jagt. Die Vertriebenen setzten sich mit den räuberischen Illyriernder Umgegend in Verbindung, und suchten mit Hülfe derselben ihrenFeinden in Epidamnus allen möglichen Schaden zu thun. DieLetzteren kamen dadurch sehr in Noth, und baten die Korcyräerum Beistand. Diese aber, bei denen damals wahrscheinlich dieAristokraten das Übergewicht hatten, wiesen ihr Gesuch zurück. DieEpidamnier wandten sich deshalb, auf den Rath des delphischenOrakels, an Korinth, welches sie als ihre zweite Mutterstadt an-sahen. Die Korinther leisteten die erbetene Hülfe mit großer Be-reitwilligkeit: sie schickten sowohl neue Ansiedler, um die Bevölkerungvon Epidamnus zu verstärken, als auch Truppen, um die Stadtzu beschützen. Auf die Nachricht davon beschlossen die Korcyräersogleich, sich der verbannten Aristokraten anzunehmen, und die Ko-rinther wieder aus Epidamnus zu vertreiben. Sie schickten Trup-pen ab, und belagerten in Verbindung mit den Vertriebenen dieStadt. Nun rüsteten die Korinther, von Megara und einigen an-dern befreundeten Staaten unterstützt, eine Flotte aus, kündigtenden Korcyräern förmlich den Krieg an (435 v. Chr.), und liefertenihnen eine Seeschlacht, in welcher die Korinther geschlagen wurden.»Epidamnus mußte sich hierauf den Korcyräern ergeben. Der Kriegwurde dadurch nicht geendigt, sondern vielmehr von den Letzterenmit unglaublicher Wuth fortgesetzt. Die Korcyräer erwürgten einenTheil der Gefangenen, griffen die Häfen der Korinther und ihrerVerbündeten an, plünderten und verbrannten einige Seestädte undWerfte derselben, und suchten ihnen überhaupt auf jede nur mög-liche Weise zu schaden.
Als zuletzt die Korinther die größten Anstrengungen machten,um eine zahlreiche Flotte gegen die Korcyräer auszuschicken, wurdees diesen bange, zumal da sie weder dem peloponnesischen noch demathenischen Bunde angehörten, die Korinther aber als Mitgliederdes Ersteren einen Rückhalt an demselben hatten. Die Korcyräer