426 Geschichte der alten Welt.
dem die Korinthcr, die Megareer, die Aegineten und andere Bun-desgenossen ihre Beschwerden gegen Athen vorgetragen hatten, imJahr 432 v. Chr. das Verfahren der Athener für einen Bruch desvor vierzehn Jahren mit ihnen geschlossenen Waffenstillstandes er-klärt, und der Krieg gegen sie beschlossen. Um Zeit für die Rüst-ungen zu gewinnen, schickte der peloponnesische Bund zuerst dreimalnach einander Gesandte nach Athen. Die erste Gesandtschaft derPeloponnesier verlangte die Versöhnung der Götter wegen des vormehr als hundert fünfzig Jahren an Kplon und seinen Anhängernbegangenen Mordes (s. oben S. 301) und die Verbannung dermit dieser Schuld beladenen Familie der Alkmäoniden, zu welchernamentlich auch Perikles gehörte. Diese Forderung, deren Will-fahrung die Peloponnesier selbst nicht erwarteten, hatte für sie doch,wie sie meinten, den Vortheil, daß der fähigste aller Athener andem bevorstehenden Kriege und dessen Leiden vorzugsweise schuldzu sein schien, und deshalb einen Theil seiner Macht und seinesEinflusses verlieren würde. Sparta und seine Verbündeten konntenum so eher diese Hoffnung hegen, als gerade um jene Zeit PeriklesFeinde in Athen ihn mit einigem Erfolge angegriffen hatten, und dieStimmung des Volks ihm entgegen zu sein schien. Man hatte dengroßen Mann, um sein Ansehen zu untergraben und eine Anklagegegen ihn selbst vorzubereiten, in der Person seiner Freunde angegriffen.Zuerst wurde Phidias eines doppelten Verbrechens angeklagt; ersollte nämlich bei der Verfertigung der Minerva-Statue des Par-thenons einen Theil des für dieselbe bestimmten Goldes unter-schlagen, sowie in dem aus dem Schild dieser Statue dargestelltenAmazonen-Kampfe sein und seines Freundes Perikles Porträt an-gebracht und dadurch gegen die Göttin gefrevelt haben. Der erstePunkt war leicht beseitigt, weil, wie oben (S. 410) angegeben ist,das an der Statue befindliche Gold abgenommen und gewogenwerden konnte; in Betreff deö zweiten aber bot Perikles vergebensseine ganze Beredsamkeit auf, um Phidias zu vertheidigen. Dergroße Künstler wurde für schuldig erklärt und ins Gefängniß ge-worfen. Er starb entweder im Kerker oder im Lande Etis, wohinzu entfliehen ihm nach einer andern Nachricht gelungen war. Einanderer Freund des Perikles, welcher dessen Feinden zum Opferfiel, war der berühmte Philosoph Anaragoras, dessen bereits oben