Band 
Erster Band.
Seite
431
JPEG-Download
 

Griechen. Peloponnesischer Krieg bis auf Perikles Tod.

eine unbeschreibliche Noth, weil nicht lange nachher Mangel anLebensrnitteln einriß; aber ungeachtet aller Entbehrungen war derausdauernde Muth der Belagerten nicht zu besiegen. Im zweitenJahr der Belagerung (423), als fast der ganze Verrath aufge-zehrt war und deshalb eine längere Vertheidigung unmöglichschien, faßten dieselben mitten im Winter den kühnen Entschluß, sichdurch die Feinde durchzuschlagen. Dieses gefährliche Unternehmen,zu welchem anfangs alle bereit waren, wurde zulegt nur von etwazweihundert und zwanzig ausgeführt, da die übrigen an dem Ge-lingen desselben verzweifelten.

« In einer stürmischen Februar-Nacht stiegen jene zweihundertund zwanzig über die Mauer der Stadt, um zwischen zweien derThürme, welche die Belagerer rings um die ganze Stadt errichtethatten, durch die Werke der Feinde hindurchzudringen. Ein Theilvon ihnen gelangte glücklich durch den inneren Graben hindurchauf die Höhe der feindlichen Wälle. Ein herabfallender Ziegelmachte aber die Wache eines nahe» Thurms aufmerksam, und so-gleich wurde das ganze Heer der Belagerer unter die Waffen ge-rufen. Die Plattier, von welchen der größere Theil noch nichteinmal den Wall erstiegen hatte, wären nun verloren gewesen,wenn nicht ihre Mitbürger in Platää einen Ausfall auf der ent-gegengesetzten Seite der Stadt gemacht, und dadurch die Feindeüber das, was beabsichtigt wurde, getäuscht hätten. Die sich durch-schlagenden Platäer hatten in Folge davon nur mit einigen hundertMann zu kämpfen; sie drangen über die feindlichen Wohnungenund so zu sagen über die Köpfe der Belagerer hin, und entkamenalle mit Ausnahme einiger wenigen, welche in die Stadt zurück-kehren mußten, und eines einzigen, welcher gefangen ward; dagegenwar keiner von ihnen gctödtct worden. Die Entkommenen, zwei-hundert und dreizehn an der Zahl, gelangten glücklich nach Athen.

Die Zurückgebliebenen behaupteten sich, ungeachtet sie die größte^Noth litten, und von Athen keinen Entsatz erhielten, auf das hart-näckigste im Besitze der Stadt, bis endlich im Sommer des nächstenJahres (427) der Hunger sie zwang, den von den Belagerern ge-machten Antrag einer Eapitulation anzunehmen. Sie ergaben sichauf die Bedingung, daß sie die Spartaner als Richter anerkennenwollten, daß diese aber bloß die Schuldigen unter ihnen, und zwar