4Zg Geschichte der alten Welt.
insgesammt getödtet. Diese Grausamkeit erbitterte natürlich dieübrigen Böoticr, sowie den ganzen peloponnesischen Bund aussheftigste gegen Platää, und hatte zur Folge, daß die Peloponnesierihre Rüstungen beschleunigten. 2m Zuli brachen sie unter der An-führung des spartanischen Königs Archidamus II in das attischeGebiet ein.
Nach Platää schickten die Athener ein kleines Corps zur Ver-theidigung, während man von dort, um eine Belagerung besseraushalten zu können, die meisten Weiber und alle Kinder der Stadtnach Athen sandte. Zu gleicher Zeit fuhren die Athener fort, Po-tidäa zu belagern, welches endlich im März des zweiten Kriegs-jahres erobert wurde. Um sich dafür zu rächen, beschlossen hieraufdie Spartaner, den Athenern die Stadt Platää wegzunehmen, undbegannen im Mär; des dritten Jahres (429 vor Christo) denAngriff auf dieselbe. Diese Belagerung, welche zwei Jahre hin-durch dauerte, ist eines der interessantesten Ereignisse des pelopvn-nesischen Krieges. In keiner Begebenheit desselben zeigt sich derCharakter jener Zeit, die Begeisterung für Selbstständigkeit, Freiheitund Ruhm, welche selbst die Bürger der kleinsten Flecken beseelte,herrlicher, als bei der Belagerung von Platää. Diese verdientdeshalb, vor der Angabe des eigentlichen Hauptganges des Kriegs,eine ausführlichere Darstellung.
Die Besatzung Platää's, welche nur aus vierhundert Platäernund achtzig Athenern bestand, wies, ungeachtet ihrer geringen Zahl,die Aufforderung des mit einem starken Heere heranziehenden Kö-nigs Archidamus zurück, und war entschlossen die Stadt auf Todund ('eben zu vertheidigen. Platää wurde von den Belagerern miteinem Wall und Graben umgeben, und auf diese Weise enge einge-schlossen. Als sich die bloße Einschließung erfolglos erwies, undvon den Platäern alle Versuche, die Stadtmauer zu erschüttern, ver-eitelt worden waren, nahmen die Peloponnesier am Ende des erstenJahres der Belagerung zu einer förmlichen Blokade ihre Zuflucht.Sie fügten nämlich ihrem Walle noch einen zweiten hinzu, derdie Belagerer gegen einen Angriff von außen schützte, führten be-festigte Wohnungen zwischen beiden Werken auf, und legten in die-selben ein Heer, welches Sommers und Winters daselbst verbliebund der Stadt die Zufuhr abschnitt. In Platää entstand dadurch