Griechen. Pcloponnes. Krieg bis z. Frieden des Nicias. 445
einer Schlacht, in welcher das athenische Heer gänzlich geschlagenwurde, und mehrere tausend Mann verlor (im Herbst 424).
Diese Niederlage gab dem Friede-liebenden Nicias, welcher umjene Zeit meistens als einer der Strategen mit an der Spitze desKriegswesens stand, und auch den Staat lenkte, wieder größerenEinfluß. Er und seine Freunde setzten im Frühling des nächstenJahres (423) den Abschluß eines Waffenstillstands auf ein Jahrdurch, zu welchem die Athener durch des Brasidas Fortschritte inMacedonien und Thracien, die Spartaner aber durch den Wunsch,vermittelst weiterer Unterhandlungen die Freilassung der Gefange-nen von Sphakteria zu erlangen, bewogen wurden. Kleon, obgleicher damals durch den großen Komödienschreiber Aristophanes vonder Bühne herab in Aller Augen lächerlich und verächtlich gemachtworden war, und obgleich er sogar, in Folge einer gegen ihn er-hobenen Anklage wegen Verschwendung der Staatsgelder, eineStrafe von fünf Talenten (13,000 fl. oder 7,200 Thlrn.) hattezahlen müssen, trat auf das nachdrücklichste gegen den geschlossenenWaffenstillstand auf. Da der bedenkliche Zustand der Dinge inThracien und Macedonien der Hauptgrund gewesen war, durchwelchen das Volk zum Waffenstillstand bewogen wurde, so machteKleon es ebenso, wie früher bei der Angelegenheit von Sphakteria.Er schalt auf die Unfähigkeit der athenischen Generale, und wardreist genug, sich selbst für einen guten Heerführer auszugeben.Endlich wurde er von beiden Parteien, der aristokratischen wie derdemokratischen, einstimmig zu einem der Strategen des Jahres 422und zum Anführer des neuen gegen Brasidas zu sendenden Heereserwählt; die eine Partei ging von dem Gedanken aus, daß er ge-wiß in sein Verderben rennen, und Athen auf diese Weise des un-seligen Demagogen entledigt werden würde; die andere ließ sichdurch sein Schreien hinreißen, und hoffte den Sieg von ihm, ohnesich für den Fall seines Untergangs im Voraus zu betrüben.
Nachdem der Waffenstillstand abgelaufen war, segelte Kleonmit dreißig Schiffen und einem tüchtigen Heere nach der HalbinselChalcidike. Hier lieferte er nicht lange nach seiner Ankunft demBrasidas bei Amphipolis eine Schlacht, erlitt eine schmählicheNiederlage, und fiel selbst auf schimpflicher Flucht. Auch der spar-tanische Held endigte in dieser Schlacht seine kurze und glänzende