446 Geschichte der alten Welt.
Laufbahn. Brasidas starb eines rühmlichen Todes, und die Art,wie man sein Andenken ehrte, gibt am besten zu erkennen, welchtiefen Eindruck er durch seine kriegerische Tüchtigkeit und sein edles,freundliches und verständiges Wesen bei seinen eigenen Landsleutenwie bei den Bundesgenossen gemacht hatte. Seine Leiche wurde mit dengrößten Feierlichkeiten und unter dem Geleite des ganzen Heeres aufdem Markte von Amphipolis bestattet, über seinem Grabe ward auföffentliche Kosten ein Denkmal errichtet, er selbst wurde, nachdem alles,was andenathenischen Stifter derColonieAmphipolis erinnerte, vernich-tet worden war, durch einen Volksbeschluß zum Gründer der Stadt erklärt,und als ein Halbgott durchjährliche Festspiele und Opfer verherrlicht.
Der Tod des trefflichen Brasidas und des elenden Kleonführte das Ende des Kriegs herbei. Beide Männer waren demFrieden entgegen gewesen, der eine, weil er den Krieg liebte undmit vollem Selbstvertrauen einen glänzenden Ausgang desselben er-warten durfte, der andere, weil er nur bei der Unruhe und Spann-ung, welche der Krieg in den Gemüthern des athenischen Volksunterhielt, seine gemeine Rolle fortspielen konnte. An die StelleBeider traten zwei andere Männer, welche entschieden den Friedenwünschten, der dem Krieg von jeher abgeneigte Nicias, welcher inAthen den größten Einfluß besaß, und der spartanische KönigPlistonar, den man einige Jahre zuvor, auf den Rath des vonihm bestochenen delphischen Orakels, nach neunzehnjähriger Ver-bannung (s. oben S. 419) wieder nach Hause zurückgerufen hatte,und der nur im Frieden einigermaßen eine Bedeutung unter seinenMitbürgern erlangen konnte. Durch Nicias und Plistonar wurdendie Friedens-Unterhandlungen, welche bald nach der Schlacht beiAmphipolis begannen, mit gleich großem Eifer gefördert. Diesedauerten den ganzen Winter hindurch, und im Frühling des Jahres421 kam endlich ein Frieden auf fünfzig Jahre zu Stande, welchergemeiniglich der Frieden des Nicias genannt wird. DieHauptbedingungen dieses Friedens, in welchen auch die beiderseitigenBundesgenossen eingeschlossen wurden, bestanden darin, daß miteinigen wenigen Ausnahmen alle gemachten Eroberungen zurückge-geben und die Gefangenen gegenseitig ausgeliefert werden sollten.Die Korinther, Böotier, Elier und Megareer traten, wegen einigerArtikel des Friedensvertrags, demselben nicht bei.