450 Geschichte der alten Welt.
den Markt, schleppte gewaltsam seine Gemahlin nach Hause, undzeigte so vor aller Welt, wie wenig er die Behörden und Gesetzedes Staats achte. Ebenso machte er es, als er einst sein Hausneu ausschmücken ließ, und ein Maler, der dabei behülflich seinsollte, ihm erklärte, daß er wegen vieler anderer übernommenenGeschäfte dies nicht könne. Alcibiades lockte den Maler in seinHaus, und zwang ihn dadurch zum Malen, daß er ihn wie einenGefangenen einige Monate lang gewaltsam festhielt.
Unmittelbar nach dem Abschluß des Friedens begann Alcibiadesseine politische Laufbahn. Die gegenseitigen Verhältnisse der griech-ischen Staaten waren durch den Friedensvertrag keinesweges geord-net worden. Die Ausführung einiger Artikel des Vertrags hatteSchwierigkeit; die Korinther, Böotier, Elier und Megareer hattendenselben gar nicht anerkannt, und das Verhalten dieser vier seithermit Sparta verbündeten Staaten schien den Spartanern so bedenk-lich, daß sie noch in demselben Jahr, in welchem der Frieden znStande gekommen war, mit den Athenern ein Vertheidigungs-Bünd-niß schlössen. Dies bewog auch die Korinther, sich durch ein Bünd-niß mit andern Staaten gegen jede Gefahr sicher zu stellen. Siewandten sich deshalb nach Argos. Die Argiver, die alten ErbfeindeSparta's, hatten ihrerseits allen Grund, eine solche Verbindungeinzugehen, weil im Jahr 420 v. Chr. ein dreißig Jahre früherzwischen ihnen und den Spartanern geschlossener Waffenstillstandzu Ende ging, und dann unter den obwaltenden Umständen der Aus-bruch eines Kriegs mit Sparta zu erwarten war. Außerdem schmeichel-ten sie sich mit der Hoffnung, daß sie, als das Haupt eines mit anderngriechischen Staaten gegen Sparta geschlossenen Bundes, wieder dasÜbergewicht im Peloponnes erlangen würden. Dem argivischenBunde traten außer den Korinthern auch die Elier bei, sowie dieBewohner der arkadischen Stadt Mantinea und die Colonieen aufChalcidike, welche den Frieden des Nicias, der sie unter die athen-ische Herrschaft zurückführte, ebenfalls nicht anerkannt hatten. Diearistokratischen Regierungen von Böotien und Megara konnten aberkein Vertrauen zu einem Bunde fassen, an dessen Spitze der demo-kratische Staat Argos stand. Auch bei anderen Staaten scheitertendie Versuche der Korinther und Argiver, sie zum Beitritt zu bewegen,und so kam man alsbald zu der Überzeugung, daß ein mächtiger