Griechen. Der Frieden des Nicias. 44g
Alcibiades soll nämlich, mit Beziehung auf die durch geringe Geistes-bildung ausgezeichneten Bewohner Bvoticns, gesagt haben: „Über-laßt die Flöte den Söhnen der Thebaner; denn diese verstehen sichja nicht wie wir Athener auf das Reden!" In seinem Jugend-alter kam Alcibiades mit dem Philosophen Sokrates in vertrautenVerkehr. Dieser war der einzige Mensch, auf welchen er je Rück-sicht nahm, wiewohl sein Umgang mit ihm mehr auf der bloßenpersönlichen Achtung eines würdigen und männlichen Charaktersberuhte, und in dem jungen Manne mehr das Bedürfniß einergeistreichen Unterhaltung befriedigte, als daß das eigentliche Strebenund der moralische Werth des Sokrates ihn angezogen, und aufseine Sinnesart und sein Treiben im mindesten Einfluß gehabthätten. Übrigens rettete Sokrates bei der den peloponnesischen Kriegeröffnenden Belagerung von Potidäa, an welcher Beide Theil nah-men, ebenso dem Alcibiades das Leben, wie dieser einige Jahrespäter in der unglücklichen Schlacht bei Delium des SokratesRetter wurde.
Von dem großen Ehrgeiz und dem genialen Leichtsinn des Al-cibiades in seinem höheren Jugendalter sind uns viele Beispieleüberliefert worden, welche theils der Wirklichkeit entnommen sind,theils aber auch in die Klasse der erdichteten Erzählungen gehören.Er schickte einst, was bis dahin noch nie vorgekommen war, siebenmit prächtigen Rossen bespannte Wagen nach den olympischen Spielen,um in ganz Griechenland Aufsehen zu erregen, und hatte die Freude,mit denselben drei Preise davon zu tragen. In Athen buhlte er-scholl sehr früh durch glänzende Choregicen, durch Veranstaltungvon Wettkämpfen und Anderes der Art um die Volksgunst. Nacheiner jener Anekdoten soll er einst einen seltenen Hund für mehrerelausend Gulden unseres Geldes gekauft, und hierauf denselben, blosum von sich reden zu machen, durch Verstümmelung auf das ärgsteentstellt baben. Er war ein so großer und rücksichtsloser Lüstling,baß er sogar in sein eigenes Haus Maitressen einführte, und da-durch sein äußerst sittsames Weib nöthigte, ihn zu verlassen undauf Ehescheidung anzutragen. Sie konnte dies nach athenischen Ge-setzen nicht anders, als indem sie selbst auf dem Markte erschien, umdie Scheidungsklage persönlich vorzubringen. Als Alcibiades Nach-richt davon erhielt, begab er sich mit den Genossen seiner Lüste auf
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