Band 
Erster Band.
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454 Geschichte der alten Welt.

ganz Sicilien Demokratieen einzuführen, und so den ersten Schrittzur Weltherrschaft zu thun. Die Verständigeren unter der Bürger-schaft, namentlich Nicias, arbeiteten zwar diesen Verlockungen durchvernünftige Vorstellungen entgegen, allein vergebens; der dem Ehr-geize des Volks schmeichelnde Plan des Alcibiades trug den Siegdavon, und es wurde, 415 v. Chr., ohne alle Rücksicht auf Lageund Umstände die Bekriegung einer Insel beschlossen, deren Größeund Bevölkerungsverhältnisse die meisten Athener nicht einmal ober-flächlich kannten, und deren Unterwerfung eine fast ebenso schwierigeAufgabe war, als die Besiegung der Peloponnesier.

Die Athener machten für den sicilianischen Krieg eine unge-heuere Ausrüstung, und verwendeten alle Schätze des Staats, denKern ihres Heeres und ihre besten Schisse auf dieses gefährlicheUnternehmen. Sie schickten nach Sicilien eine Flotte von hundertvier und dreißig großen Schiffen, von welchen vier und dreißigdurch die Bundesgenossen gestellt wurden, und ein aus Athe-nern, Argivern, Mantineern und andern Bundesgenossen bestehendesHeer von fünftausend einhundert Schwerbewaffneten und eintausenddreihundert Mann leichter Truppen. Noch nie war von einemeinzelnen griechischen Staat eine größere Ausrüstung gemacht wor-den, und sowohl dre Regierung als auch die einzelnen Bürger,welche dabei entweder die Verpflichtung der Trierarchie zu erfüllenhatten, oder selbst am Kriege Antheil nahmen, sparten keine Kosten,um dieselbe zugleich zur schönsten zu machen. Es herrschte ein all-gemeiner Wetteifer, um eine Flotte und ein Heer aufzustellen, welcheihres Gleichen nicht hätten, und nicht nur die mächtige Vaterstadtin den Augen des gesammten Griechenlands verherrlichten, sondernauch den großen Erwartungen und Hoffnungen genügten, um derent-willen die Ausrüstung gemacht wurde. Zu Anführern wurdenNicias, Lamachus und Alcibiades erwählt. Ein Mann, wie Alci-biadeö, war allein im Stande, eine Unternehmung glücklich aus-zuführen, bei welcher es mehr auf das Zutrauen des Heeres undder Flotte und auf Geschicklichkeit im Unterhandeln mit den Par-teien der verschiedenen sicilianischen Staaten, als auf taktischeKenntnisse ankam; allein zum Unglück für Athen wurde dasHeer, bald nachdem es auf Sicilien gelandet war, dieses Führersberaubt.