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Erster Band.
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Griechen. Der peloponnesische Krieg in Sicilien. 4Z5

Alcibiades hatte viele Feinde in Athen; denn wegen seinerPrachtliebe und seines schwelgerischen Lebens, sowie wegen seinerweitaussehenden Anschläge, die sich bei jeder Gelegenheit zu erkennengaben, war er nicht wenigen seiner Mitbürger als ein Mann, dernach der Alleinherrschaft strebe, verdächtig. Diese hatten schon vorder Abfahrt der Flotte sich vergebens die größte Mühe gegeben,ihm das Coinmando wieder zu entreißen und Anderen in die Händezu spielen. Sie arbeiteten seitdem unausgesetzt an seinem Sturze,und benutzten dazu unter Andern einen Vorfall, der sich kurz zuvorin Athen zugetragen hatte. Es gab nämlich in dieser Stadt eineMenge sogenannter Hermen, d. h. kleiner viereckigen Säulen, welchean ihrem oberen Ende in einen Kopf ausgehauen waren, und derenForm von den Gelehrten für einen Überrest der in den ersten An-fängen der Kunst gebräuchlichen Art, Götter und Menschen darzu-stellen, gehalten wird. Sie standen auf öffentlichen Plätzen, vorTempeln und Wohnungen, und dienten als Zierrath und als Ab-weissteine, galten aber, da sie größtentheils dem Gotte Hermesoder Merkur geweiht waren, gewissermaßen für heilig. Diese Hermenwaren kurz vor der Abfahrt der Flotte in einer Nacht fast insge-sammt verstümmelt worden. In einem Staate, in welchem derBuchstabe des Gesetzes nicht mehr das allein geltende Recht ist,wird Alles dem Aberglauben, der Leidenschaft und der Parteiwuthgeopfert, mag nun die Regierung.von der unbeschränkten Willküreines einzelnen, von Vorurtheilen und Leidenschaften beherrschtenMannes, oder von den Launen eines zahlreichen rohen Haufensabhängen. Der Aberglauben siegt über die Religion, und aus jedemDing läßt sich das Verbrechen einer Verschwörung herleiten, inwelches man dann jeden verwickeln kann, den man eben hinein-bringen will. Alcibiades Gegner benutzten die Stimmung desVolks, welches durch jenen Vorfall beunruhigt war, und brachtenihn in den Verdacht, daß er mit den Genossen seiner nächtlichenLüste den Frevel an den Hermen begangen habe. Zu gleicher Zeitward ausgesprengt, Alcibiades habe auch die eleusinischen Mysterien(s. oben S. 331) entweiht, indem er und seine Freunde bei ihrenTrinkgelagen die Ceremonien derselben spottend nachgeahmt hätten.Man suchte durch solche Gerüchte die Gemüther zu beunruhigen,und verbreitete in dem Volke die Meinung, daß dieses Betragen