Griechen. Ende des peloponnesischcn KriegS. 475
Auf die Nachricht von Konon's sehr bedenklicher Lage machteman zu Athen die größten Anstrengungen, um ihn zu retten. Eineneue Flotte von hundert und zehn Schiffen wurde i» nicht wenigerals dreißig Tagen ausgerüstet, und man bot alle waffenfähigenBewohner der Stadt, Sklaven wie Freie, zur Bemannung der-selben auf. Diese Flotte vereinigte sich mit den Schiffen der Samierund anderer Bundesgenossen, und bot hierauf, hundertundfünfzig Segelstark, zwischen Lesbos und dem festen Lande von Kleinasien, beiden arginu fischen Inseln, dem Feinde eine Schlacht an, Kalli-kratidas nahm, ungeachtet der geringeren Zahl seiner Schiffe, dieSchlacht an. Die athenische Flotte, auf welcher sich acht von denzehn Strategen befanden, wurde vortrefflich angeführt, und trugeinen glänzenden Sieg davon. Die Spartaner verloren siebenzigSchiffe, und Kallikratidas selbst fiel im Kampfe; er hatte in derSchlacht die Aufforderung seines Steuermannes zur Flucht mit denWorten zurückgewiesen, Sparta werde durch seinen Tod wenigverlieren, sich durch die Flucht zu retten aber sei eine Schande(Juli 405 v. Chr.).
Bei den arginusischen Inseln hatte das Glück den Athenernzum letzten Male gelächelt. Der verschlagene Lpsander erschien setztwieder auf der Bühne, und das athenische Volk beraubte sich selbstder sieggekrvnten Generale, die das Vertrauen der Flotte besaßen.Diese hatten gleich nach der Schlacht eine Berathung darüber ge-pflogen, ob man den Sieg benutzen und sogleich gegen die mit derBesiegung Konon's beschäftigten Feinde nach Mitylene segeln, oderdies unterlassen sollte, um die vielen auf Wracken im Meere um- *hertreibenden Mitbürger von den gescheiterten Schiffen zu retten,und die Leichen der Gebliebenen zum Behuf der Beerdigung auf-zufischen. Man war zuletzt übereingekommen, das Erstere zu thun undsechs und vierzig Schiffe unter dem Commando der Unteranführer Thra-sybul und Theramcnes zurückzulassen, um die Schiffbrüchigen zureitenund die Todten aufzusammeln. Als man aber jenen Beschluß ausführenwollte, entstand ein starker Sturm, welcher sowohl die Fahrt nachMitylene, als auch die Rettung der Gescheiterten und die Auf-fischung der Todten unmöglich machte. Die Zahl der Ersteren warsehr groß, da in der Schlacht fünfundzwanzig athenische Schiffezertrümmert worden waren, von deren Bemannung sich nur Wenige