623
Transversalmagnetismus.
Strömungen durch SäuTert und Laugensalze bedeutende Abwei-chungen der Magnetnadel hervorbringen , so wird auch dieserPunct wieder zweifelhaft, und wir müssen also zu dem Bekennt-nisse zuriickkommen, dafs wir die eigentümliche Art der Er-legung des Magnetismus durch die Elektricität noch nicht zuerklären wissen.
Es scheint auf den ersten Anblick, als wenn alle einenTransversalmagnetismus annehmende Theorieen an dem einfa-chen Phänomene scheitern müfsten , dafs die Spitze der Nadelvom elektrischen Leiter an einzelnen Stellen nicht sowohl angeTzogen und abgestofsen wird, als Vielmehr unter, über und ne-ben demselben öscillirt. Am scheinbarsten ist dieses Argument,wenn eine feine, an einem Seidenfaden dicht über dem elektri-schen Leiter schwebende, Nadel beim Schliefsen der Kette durch-aus keine Neigung zeigt, abgestofsen oder angezogen zu wer-den, sondern mit grober Energie östlich oder westlich abweicht,und nicht selten in einem ganzen Kreise herumgeschleudertwird. Es scheint mir daher ein nicht ganz unbedeutender Bei-trag zur Lehre vom Elektromagnetismus zu seyn, dafs ich selbstzuerst durch einen Versuch das zur Erklärung dieser Erschei-nung erforderliche Gesetz aufgefunden, später aber, durch einefreundschaftliche Belehrung von G. G. Schmidt erinnert, das-selbe aus dem bekannten Verhalten des Magnetismus abgeleitetund bewiesen habe *. Dieses etwas paradox klingende Gesetzheilst: Der Pol einer Magnetnadel wird von zwei combinir-ten , unter sich freundschaftlichen , magnetischen Polen we-der angezogen noch abgestofsen , sondern durch die vereinteIVirkung derselben nach der Seite der verlängerten Richtungdes feindlichen Poles hingezogen , vor diesem und dem freitnd-schaf liehen Pole vorübergefuhrt und vor letzterem hin farlge-stofsen. Dafs dieses Gesetz aus dem bekannten der AnziehungundAbstofsung ungleichnamiger und gleichnamiger magnetischerPole mit einer dem Quadrate der Entfernung umgekehrt pro-portionalen Kraft nothwendig folge, ersieht man bald, wenn p .man nur die Linien b a, ca, in welchen die magnetischen Kräfteabstol'send und anziehend auf den Pol a wirken, in ihre Com-ponirenden zerlegt, wobei man bald überzeugt wird, dafs derpositive Pol a nothwendig nach d getrieben werden mufs.
1 G. LXXI. 411. Vergl. LXX. 161.