Band 
Dritter Band. E.
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Gestalt und Gröfse.

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bei aller ihrer sonstigen Geistesbildung, Beobachtungen scharfaufzufassen, und als Grundlage zu sicheren Schlüssen zu be-nutzen das Talent hatten. Ein hauptsächlicher Grund aber,warum jene auch in späteren Zeiten bei weiteren Reisen auf dervermeintlich flachen Erde nicht zur Ueberzeugung von ihrerKrümmung gelangten, lag in dem Umstande, dals ihre weite-sten Reisen zur See nach Westen, zu Lande aber nach Ostengerichtet waren, wonach also der höhere und niedrigere Standder nördlichen und südlichen Sterne über dem Horizonte weni-ger auffiel. Nach Homer und Hesiodus war also die Erde eineflache Scheibe rundum vom Strome Oieanos umflossen, mitwelchem der ihnen bekannte Strom Phasis im fernsten Osten inKolchis zusammenhing. Ueber die Länder im Norden von Grie-chenland und im Süden jenseits der Küsten von Syrien hatteman unvollständige Sagen, westlich aber wurde die Weltgrenzezwei Tagereisen jenseits Sicilien gesetzt 1 .

Die Vorstellung von der Fläche des oberen Theiles derErde wurde beibehalten, und mit andern Hypothesen über ihreGestalt verbunden. Nach Thales von Milet sollte dieselbeauf Wasser schwimmen 2 , welches sogar später noch Seitecawiederholt 3 . Anaximander dagegen dachte sich die Erde alseinen Cylinder, dessen obere Fläche von den Menschen be-wohnt, die untere aber unbewohnt sey. Dieser Cylinder sollteferner ein Dritttheil seines Durchmessers zur Höhe haben, undin der Mitte des hohen Himmelsgewölbes deswegen frei schwe-ben , weil kein Grund zu einer Bewegung weder nach der einennoch nach der andern Seite vorhanden sey. Anaximenes da-gegen liefs die flache Erde durch comprimirte Luft getragenwerden, Xexophaxes aber gab ihr Wurzeln, die sich ins Un-endliche erstrecken, zurJJnterstützung. Leukipp, Demokrit ,Heraklit und Anaxaooras blieben im Ganzen der VorstellungAnaximaxder’s über die Gestalt der Erde getreu 4 , bis Plato nach phantastischen Philosophemen, aus den pythagoreischenZahlencombinationen, sie für einen Würfel hielt, weil dieser

1 S. J. H. Vofs im Gott. Mag. St. 2, S. 297. und im N. deut,Mus. St. 8.

2 Arist. de Coelo. II. iS,

3 Q. Nat. VI. 6.

4 l)iog. Laert. Vit. Phil. Lib. IX.

III Bd. ggg