ItzO Geschichte der neuere» Zeit.
träges verzögerte sich nachher noch mehrere Monate lang, weil dasParlament oder die weltlichen Stände Schottland's sich schämten,den König an seine Feinde zu verkaufen. Die Assembly aber,welche größtentheils geistlich war, und sich als souveränes Volkgeltend machte, hatte bald gar keine Bedenklichkeit mehr, und gab,als die Engländer mit Krieg drohten, dem schottischen Parlamentein Gutachten, welches als Befehl gelten konnte. Man wahrte
dabei, wie die Frommen zu thun Pflegen, den Schein; denn man
verlangte die Zusicherung, daß dem Könige kein Leid zugefügt, derrechtmäßigen Nachfolge seiner Kinder kein Hinderniß in den Weggelegt und in der bestehenden Verfassung nichts geändert werde.Diese Forderung wurde zwar von den zur Unterhandlung bevoll-mächtigten Commissären der Engländer angenommen, aber bei derBestätigung der Übereinkunft durch das Westminster-Parlament garnicht erwähnt, obgleich das Oberhaus sie ebenfalls angenommen
hatte. Sobald die Schotten ihre Grenzen erreicht hatten, über-
lieferten sie am 30. Januarss1647 den König an die Commissäredes englischen Parlaments. Diese behandelten ihn zwar mit großerEhrerbietung, ließen ihn aber unter starker Bedeckung nach Holmbybringen, welchen Ort das Parlament ihm angewiesen hatte. Dortward er in freier Haft gehalten.
6. Letzte Zeit Karl's I.
Von der Zeit an, als König Karl den Engländern als Ge-fangener überliefert wurde, war eine Theilung des englischen Par-laments und eine Feindschaft zwischen diesem und dem Heere unver-meidlich. Da nun überdies im September 1646 Graf Esser, welcherganz allein die presbyterianisch-aristokratische Partei hätte aufrechterhalten können, gestorben war, so war fortan Cromwell der bedeu-tendste Mann nicht nur im Heere, sondern auch im Parlament, inwelchem Fairfar keine Stimme hatte. Von Cromwell wagen wirebenso wenig, wie von Hunderten unserer Zeitgenossen, welcheplötzlich zu Thron- und Zions-Wächtern geworden sind, zu behaupten,daß er nichts als ein ehrgeiziger Heuchler gewesen sei. Doch bleibener und Seinesgleichen, welche göttliche und weltliche Weisheit insich vereinigen wollen, uns immer verdächtig, und zwar Cromwellinsbesondere um so mehr, weil er sich bemühte, zugleich bei den