180 Geschichte der neueren Zeit.
daher im Anfange des September auch Warschau den Feinden über-lassen. Karl folgte ihm, als er aus Warschau abzog, auf dem Fußenach, schlug ihn am 6. Sey tember bei Czernowa, setzte ihm auch nach 'Krakau nach und nöthigte ihn nach einem unbedeutenden Gefechte junweit dieser Stadt, das Reich zu verlassen und sich auf seine Herr- !
schaften in Schlesien zu begeben, wo sein Verbündeter, Kaiser Fer- j
dinand III., ihn schützen konnte. Ende September wurde hierauf auchKrakau, die zweite Hauptstadt des polnischen Reiches, von den Schwe- jden besetzt, und eine Stadt nach der anderen, sowie ein Senator ^des Reiches nach dem andern gaben sich in den Schutz der Schweden.
Am Schlüsse des Jahres 1655 eroberte Karl auch noch West-Preußen mit alleiniger Ausnahme von Danzig. Im folgendenJahre gingen sogar alle Söldner (Quartianer) zu den Schwedenüber, und ihrem Beispiele folgte selbst das Neichsheer, welches unter !Stanislaus Potocki in der Ukraine stand. Karl glaubte daherHerr von ganz Polen zu sein. Er begann jedoch schon damalseinzusehen, daß er es nicht blos mit dem ganz unfähigen KönigJohann Kasimir, sondern auch mit der polnischen Nation und mitden europäischen Mächten zu thun habe.
Friedrich Wilhelm von Brandenburg, gewöhnlich nur dergroße Kurfürst genannt, hatte damals schon seinen kleinen Staataus dem Verfalle, in welchen dieser durch seinen Vater und dessenMinister Adam von Schwarzenberg gerathen war (s. Th. XlV.
S. 248), wieder emporgehoben; allein auf der einen Seite hieltendie Holländer seine Städte in Westphalen besetzt, und auf der an-dern machte der polnische Senat die Lehens-Abhängigkcit, in welcherPreußen zu Polen stand (s. Th. XII. S. 33), auf eine sehr harteWeise geltend. Friedrich Wilhelm fand gleich seinem Vater imHerzogthum Preußen, wo die Ritterschaft sich auf Polen stützte undebenso wenig, als die Städte, ein monarchisches Princip anerkannte,weit größere Schwierigkeiten, vermittelst einer gefüllten Schatzkammerund eines stehenden Heeres eine militärische Herrschaft zu gründen,als in seinen deutschen Staaten. Er gab daher auch gleich anfangsden preußischen Ständen nach, damit diese sich nicht etwa an denpolnischen König und Senat wendeten, um mit ihrem Herzoge alseinem polnischen Vasallen Proceß zu führen. Die Polen warensehr unwillig, als der junge Kurfürst die Regierung von Preußen