Band 
[Fünfzehnter Band.]
Seite
199
JPEG-Download
 

Dänemark. Schuhmacher.

1SS

Friedrich IN. war durch die Talente, die Thätigkeit und den Ehr-geiz seines Günstlings mehr geschreckt als gewonnen worden; erhatte ihn beobachtet und nicht allmächtig werden lassen. Er schiennämlich eingesehen zu haben, welch ein gefährlicher Nathgeber einMann von Schuhmacher's Geist, Kenntnissen und Ehrgeiz für einenganz unbeschränkten Monarchen werden könne. Er hatte ihn daherin der späteren Zeit nur mit Vorsicht begünstigt und seinen SohnChristian an sein Todbette rufen lassen, um ihn vor Schuhmacherzu warnen. Christian V. war jedoch ein zwar guter, aber auch trägerHerrscher und zu Geschäften, wie die unmittelbare Leitung des Reicheswar, selten aufgelegt; er widmete seine Zeit unschuldigen Vergnü-gungen, und ließ Alles von Schuhmacher besorgen. Er hob einenMann, durch welchen er selbst ein Regent wie Ludwig XIV. war,von Würde zu Würde, verlieh ihm die vorzüglichsten Kron-Lehen,machte ihn 1673 zum Groß-Kanzlcr, führte ihn 1674 in das ge-heime Conseil ein, überließ ihm den Vorsitz desselben, den er bisdahin selbst gehabt hatte, und wollte ihn sogar mit einer nahenVerwandtin des königlichen Hauses, einer Prinzessin von Holftein-Augustenburg, vermählen. Es gelang jedoch schon 1676 den aufSchuhmacher's Fähigkeiten eifersüchtigen Hofleuten, ihn zu stürzen,und Schuhmacher erfuhr bald an sich selbst, daß, wenn maneinen christlichen König zum Sultan mache, man auch gefaßt seinmüsse, wie ein türkischer Vezier behandelt zu werden. Guldenlöwe,Ahlefeld, der seine Stelle erhielt, Knud und der branden-burgische Gesandte Brandt vereinigten sich gegen ihn. Er wurdeverhaftet und auf die schauerliche Feste Munkholm bei Drontheimgebracht. Hier hielt man ihn von 1676 bis 1698 eingekerkert; erstdann wurde ihm erlaubt, in Drontheim selbst sich aufzuhalten, woer ein Jahr später starb.