216 Geschichte der neueren Zeit.
bewogen, den König etwas besser zu behandeln und ihm sogar einenAntheil an den Berathschlagungen über Staatsangelegenheiten zugewähren. Man verzieh deshalb auch den Häuptern der Clans,welche ihm anhingen.
Schon im November hatte sich die Zahl der dem Könige er-gebenen Truppen vermehrt, und Cromwell's Lage wurde auch nochdadurch schlimmer, daß seine Gegner sich nicht aus ihrer Stellungbringen und zu einem Treffen verlocken ließen. Indessen nahm dieZwietracht unter den Schotten, welche von Religion und König-thum ganz verschiedene Ansichten hatten, in den letzten Monaten desJahres 1650 immer mehr zu, während Cromwell die Einheit beiseinen Leuten dadurch erhielt, daß er vor dem einen Theile dengottseligen Beter und Prediger, vor dem anderen den strengen undklugen Staatsmann und General spielte. Karl II. versuchte einenähnlichen Weg einzuschlagen, und die Lords Hamilton und Lauder-dale, welche nach der letzten Amnestie wieder zu ihm hatten kommendürfen, standen ihm mit verständigem Rathe bei. Er ward, wieClarendon sagt, nach und nach beliebt, ging viel mit den angesehen-sten Gliedern des Ritterstandes und der Bürgerschaft um, und konnteVieles, was er wünschte, im Parlament durchsetzen. Nicht wenigeParlaments-Beschlüsse (mnnv inkamons nctb) wurden auf sein Be-treiben widerrufen. Auch stellte man ein neues Heer auf, dessenCommando ihm überlassen wurde, und in welches er, ohne daßwidersprochen ward, viele Officiere seines Vaters aufnahm. Zuseinem Generallieutenant ernannte Karl den David Lesley; derZweite im Commando (^enersl ok tlie Iior8e) ward Middleton.In Betreff der bürgerlichen und kirchlichen Angelegenheiten versprachund that Karl ohne Bedenken Alles, was die todte und mechanischeFrömmigkeit seiner Schotten nur immer wünschen konnte, wobei ersich in Gedanken vorbehielt, Wort und Eid wieder zu brechen, sobalddie Umstände es erlaubten. Er hörte alle ungezogenen Predigerder Schotten ruhig an, fand sich bei allen langweiligen theologischenVersammlungen und Disputationen de- und wehmüthig ein, und be-schwor den Covenant, sowie alles Andere, was man von ihm ver-langte, um nach uralter schottischer Sitte in Scene (s. Th. VU.S. 487) gekrönt zu werden. Das Letztere geschah im Januar 1651mit sehr großem Pomp, wobei die Frommen dem Könige wieder