Band 
[Fünfzehnter Band.]
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Holland. Die Arunnianer und Gomaristen.

Arminius. Der Erstere war aus den Schulen der finsterendeutschen Theologie oder der erneuerten deutschen Scholastik her-vorgegangen; der Andere war ein in jeder Rücksicht gebildeter undin die Studien, welche damals in Holland blühten, eingeweihterMann. Arminius war zu Oudenarde an der Assel, Gomarus zuBrügge geboren; Beide aber hatten, ehe sie in Leiden auftraten,nicht blos auf den meisten reformirten Universitäten Deutschlands,sondern auch in Genf und in England gelehrt. Um zu begreifen,wie diese beiden Professoren das ganze phlegmatische Volk der Nie-derländer in eine Bewegung bringen konnten, welche kaum unterFranzosen und Jtaliänern erklärlich wäre, muß man wissen, daß diefleißigen, eingezogen und sparsam lebenden Holländer ihre Bibelund die Theologie sehr eifrig studirten, und ihre Pfarrer (äominees)sowie deren Predigten mit eben der Wichtigkeit betrachteten und an-hörten, als die Jtaliäner ihre Sänger. Das holländische Volk wurdedaher auch in große Verlegenheit gebracht, als in Leiden zwei Schulenentstanden, welche über Theologie ganz entgegengesetzte Grundsätzehatten und einander verketzerten. Da nämlich die Kirche in denNiederlanden ebenso besucht wurde, wie später das Theater, so wares ein wahres Unglück für die frommen Familien, daß die Predigeranfingen, ganz entgegengesetzte Lehren über Sätze vorzubringen, anwelche der gute Holländer seine Seligkeit knüpfte, und über die erTag und Nacht grübelte, ohne ein Licht zu finden. Es war oft derFall, daß in einer und derselben Kirche ein Prediger am Morgenden Gläubigen mit der Hölle drohte, wenn sie dasjenige für wahrhielten, was sein College am Nachmittage als allein seligmachendeWahrheit dem Gedächtnisse einzuprägen empfahl. Dem damals sehrfrommen, jeder Zerstreuung abgeneigten, häuslich und mäßig le-benden Holländer und seiner ganzen Familie war dieser Streitunerträglich, weil er bei dem besten Willen in Gefahr war, seineSeele dem unrechten Pastor anzuvertrauen. Das Volk gerietst daherdurch die Zänkerei der Theologen in heftige Bewegung. Die Streit-punkte selbst waren leider solche, welche von Christus und seinenAposteln absichtlich im Dunkel gelassen wurden, weil sie der mensch-lichen Forschung niemals erreichbar geworden sind, obgleich man sichmit ihrer Erforschung seit Zoroaster und Buddha unsäglich gequälthat. Die beiden Professoren stritten über den Rathschluß Gottes,