286 Geschichte der neueren Zeit.
welcher doch nach der Schrift ewig dunkel sein wird, über die Vor-herbestimmung des Menschen zum Glück oder zum Unglück, über diegöttliche Gnade und ihre Eigenschaften, die man empfinden, abernicht erklären kann, über die Erbsünde, über den freien Willen unddergleichen mehr, wie einst die Byzantiner über die Gottheit Christi,über die Naturen in ihm und über seinen einfachen oder doppeltenWillen.
Gomarus hatte in Leiden schon längere Zeit die von Calvinusmit unerbittlicher Strenge aufgestellten Grundsätze über die so ebenerwähnten Lehren vorgetragen, als 1603 der Streit dadurch begann,daß Arminius sich in Leiden einen Anhang bildete, indem er jenen Grund-sätzen mildere entgegensetzte, welche Gomarus Seelen-verderbend schaltund als Pelagianismus (s. Th. IV., S. 589), ja als Papismusverschrie und verschreien ließ. Die Sache kam schon zu Lebzeitendes Arminius, welcher 1609 starb, dahin, daß die Staaten vonHolland oder mit anderen Worten die souveraine Regierung dieserProvinz sich in den Streit einmischen mußten, obgleich der großeund weise Groß-Pensionarius der Republik oder, wie wir sagenwürden, ihr Kanzler und Minister der auswärtigen Angelegenheiten,Oldebarneveld, durchaus keine Bedeutung auf dieses Schul-undKanzel-Gezänke legte. Oldebarneveld erklärte den zankenden Professo-ren geradezu, er halte dafür, daß dieser Streit die Grundlehren desChristenthums gar nicht berühre. Dies erbitterte den groben Go-marus heftig. Er bat um die Erlaubniß antworten zu dürfen, undsagte dann dem Minister, er seines Theiles getraue sich nicht, mitBehauptung solcher Lehren, wie diejenigen seines anwesenden Collegenwären, vor Gottes Angesicht zu erscheinen. Die Staaten der Pro-vinz Holland suchten den Streit auf freundliche Art auszugleichen;sie machten aber dadurch die Sache nur noch ärger, da sich seit dieserZeit die geistlichen Herren erst recht wichtig zu fühlen begannen, ihreSache an die Generalstaaten brachten und förmliche Serien bildeten.Da Arminius die freiere Lehre vertheidigte und den HeidelbergerKatechismus nicht, wie in Deutschland geschah, als Glaubensnormoder symbolisches Buch anerkennen wollte, so neigten sich Olde-barneveld, der furchtbarste Gegner des nach monarchischem An-sehen strebenden Hauses Naffau-Oranien, sowie Hugo Grotiusund andere Gegner des Hauses Nassau-Oranien mehr auf seine