Band 
[Fünfzehnter Band.]
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Geschichte der neueren Zeit.

einander in Kampf waren. Er gab nämlich seinen bisherigen Freundund Hofprediger Uytenbogaert auf, und besuchte die Klosterkirche,in welcher ein strenger Calvinist predigte. Von diesem Augenblickean trat zwischen den gebildeten Aristokraten, welche Arminianerwaren, und der Demokratie, die von Moritz begünstigt wurde, einganz anderes Verhältniß ein, nachdem der Prinz schon vorher vonden Leuten, welche in den Staaten von Holland den größten Ein-fluß hatten, Widerspruch und Feindseligkeit erfahren hatte.

Um das Folgende etwas verständlicher zu machen, müssen wirhier einige dürftige Notizen über die sehr verwickelten Verfaffungsver-hältnisse der sieben Provinzen einschicken; eine genauere Darstellungwürde zu vielen Raum erfordern. Die sogenannten General-staaten, welche im Haag zusammen kamen, bestanden aus denDeputirten aller Provinzen, und bildeten die Gesammt-Regierung,deren erster Beamter der Statthalter war. Die Zahl der De-putirten, welche jede Provinz zu den Generalstaaten abordnete, warunbestimmt; jede Provinz hatte aber, auch wenn sie vierzig oderfünfzig Deputirte schickte, immer nur eine einzige Stimme, und dieEntscheidung wurde also stets blos durch sieben Stimmen gegeben.Jede Provinz hatte für sich allein ihre besonderen Staaten oderStände, sowie jede Stadt, falls sie nicht einem großen Herrn alsErbstück gehörte, ihren sreigewählten Magistrat hatte. Jede Provinzkonnte Gesetze geben; diese waren aber nur für sie selbst verbindend.Außerdem konnten die Generalstaaten keine Gesetze machen, welchedenen der einzelnen Staaten entgegen waren. Da Holland alleinmehr als die Hälfte der schweren Steuern bezahlte, welche für dieUnterhaltung des Heeres und der Flotte und für die Verzinsungder Staatsschuld erhoben wurde *), und da außerdem der Pensionariusvon Holland vermöge seiner Stelle beständiges Mitglied der Gene-ralstaaten war und in der Versammlung derselben zwar keine entschei-dende Stimme, wohl aberden Vortrag hatte, so standen sich seit der letz-ten Zeit Prinz Moritz und Oldebarneveld, der damalige Pensionariusvon Holland, einander feindlich entgegen. Übrigens saßen in den Staa-ten von Holland achtzehn Deputirte der Städte neben nur zehn der Ritter-

Im Jahre 1612 trugen zu hundert Gulden Steuern die Provinzen Gel-dern, Utrecht und Groningen nur je acht, Over-Ussel und Friesland elf, Seelandneun, Dreuthe einen, Holland allein aber achtnndfünfzig Gulden bei.