Band 
[Fünfzehnter Band.]
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Holland zur Zeit des Prinzen Moritz.

meisten tüchtigen Feldherren, jeden, der nicht unbedingt gehorchte,für einen Feind des Staates hielt. Endlich hatte er auch noch eineherrschsüchtige Französin zur Gemahlin. Mit seinem ganzen Wesenund Streben war die Aristokratie des Landes, welche schon seinemVater oft entgegen getreten war, um so unzufriedener, je klassischgebildeter in jenen Zeiten die Redner derselben waren. Männerwie Hugo Grotius und Oldebarneveld eiferten daher nicht blosgegen den übermäßigen Einfluß des Hauses Nassau-Oranien, sondernauch gegen die Obergewalt der Gencralstaaten, in welchen diesesHaus mehrentheils die Stimmen für sich hatte, und behaupteten,daß die Staaten jeder einzelnen Provinz innerhalb derselben sou-verain seien. Aus allen diesen Umständen wird man es sich erklä-ren müssen, daß Moritz daran denken konnte, die edelsten Männer,welche in StaatSgeschäften und in jeder Art von Wissenschaft gleichtüchtig waren, durch den unwissenden und deshalb auch blindgläu-bigen Pöbel zu verderben. Die rohe Masse des Volkes, die Weiber,die herrschsüchtigen Pfaffen und Kanzelschreier waren insgesammtGomaristen; dagegen gehörten Männer wie Oldebarneveld,Groß-Pensionarius von Holland, Hoogerbeets, Pensionarius vonLeiden, Hugo Grotius, Pensionarius von Rotterdam, vander Haen, Pensionarius von Haarlem, van Ledenberg, Staats-schreiber in Utrecht, Uptenbogaert im Haag und andere bedeu-tende Republikaner zu der Partei der Arminianer.

Moritz selbst bekümmerte sich eigentlich viel weniger, als die ge-nannten wissenschaftlichen Männer, um Philosophie oder um dieSpitzfindigkeiten der theologischen Professoren, und war von derFurcht vor der Hölle, welche den Pöbel zu Gomarus trieb, ganzfrei; allein er fand in dem " theologischen Zwiste ein gutes Mittel,seine Creaturen nach und nach in alle Stellen zu bringen. Er er-klärte sich zwar nicht offen gegen die Arminianer; er unterstützteaber unter der Hand ihre Gegner bei allen Wahlen mit seinemEinflüsse. Die Stadt-Magistrate, die geistlichen und weltlichen Äm-ter wurden mit Anhängern der strengen Lehre besetzt. Im Jahre1615 zeigte Moritz sogar öffentlich, daß er der fanatischen und de-mokratischen Partei gegen die verständige und aristokratische, aberwenig zahlreiche Partei allenfalls auch militärische Hülfe leistenwerde, da fast in allen Städten das Volk und die Magistrate mit