271 Geschichte der neueren Zeit.
sich hätten, für Seelen-verderbend zu halten. Sobald eine solche For-mel beschlossen wäre, sollte ebenso in Holland, wie einst in Byzanzund wie im vorhergehenden Jahrhundert in Sachsen und Würtem-berg geschehen war, durch weltliche Mittel jedermann zur Unterschrei-bung derselben gezwungen werden. Moritz ließ sich bei dieser Ge-legenheit nur gebrauchen, weil dasjenige, was die Theologen wollten,blos mit Hülfe des Heeres, welches allein von ihm abhing, durch-gesetzt werden konnte, er also, wenn dies einmal geschehen war, dereigentliche Herr im Lande war und blieb. Um Glauben und umOrthodoxie war der Prinz keineswegs kleinlich besorgt, wie die by-zantinischen Kaiser und die deutschen Fürsten, welche in Betreff desHaltens von Concilien und des mit demselben verbundenen mili-tärischen Glaubenszwanges seine Vorgänger gewesen waren. Erdachte nämlich über das theologische Gezänke gerade so, wie seinVater Wilhelm I. gedacht hatte. Wenigstens sprach er im Jahre1618, als er die Provinz Ober-Issel zur Partei der Gomaristenherüberzog und die oben erwähnten Änderungen in Utrecht vor-nahm, öffentlich aus, er werde keine Religions-Verfolgung und keineUnterdrückung der Remonstranten dulden und verbürge ihren Pre-digern den fortwährenden Besitz ihrer Stellen. Nichtsdestowenigerhielt er gerade zu derselben Zeit, als er sich so duldsam äußerte,für nöthig, über die Staatsmänner, ohne welche die Remonstrantensich gegen ihre Feinde nicht behaupten konnten, einen Kriminal-Proceßzu verhängen, oder mit anderen Worten gegen sie ein Verfahreneinzuleiten, bei welchem man durch die Folter Alles, was man alsVerrath bestrafen wollte, Herauspressen konnte, ohne daß jemand andie Schuld der Verklagten glaubte.
Der Anfang ward mit dem würdigen, greisen, gelehrten Groß-Pensionarius Oldebarneveld gemacht, welcher während der Kind-heit und Jugend des Statthalters dessen Erzieher, Freund undBeschützer gewesen war. Oldebarneveld wurde am 29. August 1618im Haag in dem Sitzungsgebäude der Staaten von Holland ver-haftet. Moritz, welcher in diesem Gebäude wohnte, ließ den Pen-sionarius, als derselbe sich in die Staaten-Versammlung begebenwollte, auf sein Zimmer rufen und dort, wie er sagte, auf Geheißder Generalstaaten durch seine Leibwache festnehmen. Auch HugoGrotius, Hoogerbeets, Ledenberg und einige andere Män-