Holland nach Wilhelms II. Tod. 2gg
Europa, sowie der furchtbarste Feind Ludwig's XIV. ward. Daweder Wilhelm III. als kaum geborenes Kind, noch auch der Grafvon Nassau-Diez, Statthalter von Friesland, Anspruch an die Statt-halterschaften der übrigen Provinzen machen konnten, so erlangte diein den einzelnen Provinzen übermächtige aristokratische Partei dasÜbergewicht in den Generalstaaten. Der Holländer, Johann deWitt, ward Groß-Pensionarius, und verdrängte überall die Oranien-Männer, war aber sonst der würdigste und gelehrteste Mann seinerZeit. Übrigens wurden die Republikaner, welche nach Wilhelm's II.Tod Holland regierten, zuerst von Cromwell hart bedrängt, undnachher mußten sie von den wieder eingesetzten Stuartö Alles be-fürchten. Dies bewog sie, sich enger an Frankreich anzuschließen,als politisch klug und recht war. Sie führten dadurch, wie wirspäter erzählen werden, die Einsetzung Wilhelm's III. in alle Amterseines Vaters herbei.
Um die Vormundschaft des erst nach dem Tode seines Vatersgeborenen Wilhelm III. stritten sich dessen Mutter und Großmutter.Es kam dabei besonders auf die Erbherrschaften, Marquisateund Fürstenthümer an, welche das Haus Nassau-Oranien schon zuKarl's V. Zeiten besaß, und zu denen nachher noch das französischeFürstenthum Oranien gekommen war. Den Streit entschieden dieobersten Gerichte der Republik dahin, daß des Prinzen Mutter, eineEngländerin, und seine Großmutter, eine Deutsche, die Vormund-schaft getheilt besitzen sollten. In Seeland waren die Besitzungender Familie ebenso bedeutend, wie in Geldern, und die Anhäng-lichkeit des Volkes an ihren Crbherrn sehr groß. Hätten sich da-her nicht die Staaten von Holland widersetzt, so würden die See-länder den Prinzen Wilhelm III. schon in der Wiege zu ihrem Statt-halter erwählt haben.
Von dem Augenblicke an, als in der Republik der sieben Pro-vinzen die republikanische und anti-oranische Partei das Überge-wicht erlangte und mit Cromwell in Streit gerieth, neigte sich Hol-land zu einer engeren Verbindung mit Frankreich, und ward in dieStreitigkeiten dieses Reiches mit Deutschland und mit Spanien ver-wickelt. Wir glauben daher die allgemeine Geschichte der zweitenHälfte des siebenzehnten Jahrhunderts mit der französischen Geschichtebeginnen zu müssen.