Neapel und Sicilieu zu Mrzarin's Zeit. ZtZ
angelangt waren, welche der damals in Neapel herrschenden Ochlo-kratie ein Ende machen sollten.
In Neapel, war der Herzog de los Arcos in derselbenVerlegenheit, die von den spanischen Ministern unaufhörlich ver-langten Truppen, Schiffe und Vorräthe zu liefern, wie der Mar-quis de los Velez in Sicilien. Die Abgaben waren dort verpachtet,und zwar größten Theils an Genuesen, unter deren Druck das ansich reiche Land erlag. Da der Betrag dieser Abgaben bei weitemnicht ausreichte, so suchte der Herzog Hülfe bei den Ständen.Diese bewilligten zwar eine Million Dukaten als Donativ für dieKosten der Abwehr des Zuges, welchen Thomas von Savoyengegen Neapel rüstete; sie wollten aber nach der Sitte der mittel-alterlichen Stände, bei welchen das Volk keine Stimme hatte, dieLast von ihren Schultern abwälzen und den schon hart besteuertenniederen Klassen aufbürden. Die neue Steuer sollte nämlich durcheine Abgabe von den ersten Lebensbedürfnissen erhoben werden.Dies hatte man schon einmal versucht; man hatte aber dabei solchenWiderstand gefunden, daß die Steuer wieder abgeschafft werdenmußte. Als dieselbe jetzt (im Januar 1647) erneuert wurde, ent-stand unter den sehr zahlreichen niederen Klassen eine allgemeineUnzufriedenheit. Der Vice-König sah sich, so oft er ausging, vonVolkshaufen umdrängt, welche die Aufhebung der lästigen Abgabeforderten und dumpfe Drohungen ausstießen. Endlich verbranntedas Volk die Bude, welche mitten auf dem Markte für die Ein-nehmer errichtet war; und da um dieselbe Zeit die Empörung inPalermo ausbrach, ward der Vice-König ernstlich besorgt. Ersuchte zum zweiten Male ein besonderes Mittel zu finden, um dasGeld aufzubringen, drang aber bei den wohlhabenden Klassen ebensowenig als früher durch. Die Unzufriedenheit nahm daher zu, undzwei geistliche Demagogen, der Priester Julius Genuino und derKarmelit Pater Savino, suchten dieselbe gegen die Spanier zu be-nutzen. Sie fanden an einem jungen Fischer, Thomas Aniello,nach Neapolitanischer Weise Masaniello genannt, ein geeignetesWerkzeug. Dieser Fischer hatte nämlich großen Einfluß auf dasniedere Volk, besaß Beredsamkeit, stand, so bettelarm er war, imRufe der Uneigennützigkeit, und schnaubte Rache, weil man seineFrau einmal wegen eines eingeschmuggelten Fisches bestraft hatte.