Band 
[Fünfzehnter Band.]
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31k Geschichte der »eueren Zeit.

Die beiden genannten Priester hatten verabredet, daß man im Juli1647 an einem großen Festtage, an welchem das Landvolk zahlreichin die Stadt strömte, über die Spanier herfallen wolle; ein Zufallführte jedoch den Aufstand früher herbei. Am 7. Juli entstandnämlich auf dem Marktplatze zwischen den Käufern und Verkäufernvon Feigen Streit darüber, wer die Abgabe zu bezahlen habe.Als endlich der Marktmeister erklärte, daß es vom Verkäufer ge-schehen müsse, gerieth ein Bauer, welcher kein Geld bei sich hatte,darüher in solche Wuth, daß er seine Feigen aus den Körben aufdie Erde schüttete und mit den Füßen zerstampfte. Dies ver-anlaßte einen großen Znsammenlauf von Menschen und viel Lärmen.Auch Masaniello und die mit ihm längst verschworenen, mit Stan-gen bewaffneten jungen Leute kamen herbei. Diese fielen über dieEinnehmer, ihre Gehülfen und Diener her, verjagten dieselben undplünderten nicht nur die Zollbude auf dem Markte, sondern auchalle anderen Orte, an welchen Abgaben erhoben wurden. Nachherströmte die tobende Menge zum Palaste des Vice-Königs. Dortbetheuerte sie zwar ihre Anhänglichkeit an den König, tobte abergegen die schlechte Regierung (il mal §overno).

Von diesem Augenblicke an war Masaniello Herr und Dictatorin Neapel. Er zeigte sich der Stelle, die er einnahm, im Ganzenwürdig. Er hatte als Redner im naiven Volkston denselben wun-derbaren Einfluß auf die Menge, welcher in unseren Tagen Kossuthunter den Madscharen und im fünfzehnten Jahrhundert Huß unterden Slaven allmächtig machte. Masaniello bestieg von Zeit zuZeit eine Bühne, welche neben der Kirche für ihn errichtet war,um seine Verordnungen ausrufen zu lassen und das klägliche Schick-sal des unter spanischem Drucke seufzenden Volkes zu schildern.Das Volk verschmähte in Folge davon die dem Vice-König abge-zwungene Milde, und wollte den Palast desselben stürmen, so daßendlich der erschrockene Vice-König sich in seinem geschlossenenWagen ins Castel nuovo zu flüchten suchte. Dort fand er jedochdie Zugbrücke niedergelassen. Er ließ daher umwenden, um in dasCastel del Uovo zu fahren. Er würde auf dieser Fahrt vom Volkeergriffen worden sein, wenn er nicht durch ausgeworfenes Geld denHaufen beschäftigt hätte. Nur dadurch gelang es ihm, zu entkommenund das Kloster des heiligen Ludwig zu erreichen, wo er Zuflucht fand.