Band 
[Fünfzehnter Band.]
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317
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Neapel und Sicilieu zu Mazarin's Zeit. 317

Der Vice-König suchte vergebens die Empörer durch Güte,sowie durch die Aufhebung der Abgaben vorn Getreide und vomMehl zu befriedigen. Die Zahl der Unzufriedenen nahm von Tagzu Tage zu, und stieg endlich durch fünzigtausend Landleute, welche vonweit und breit her in die Stadt strömten, so hoch, daß der Vice-König in das Castel St. Elmo flüchtete. Tiberins Caraffa, Fürstvon Bisignano, welchen das Volk an seine Spitze gestellt hatte, riefdasselbe in eine der Hauptkirchen von Neapel, bestieg die Kanzelund ermähnte es mit dem Crucifix in der Hand zur Ruhe. Erkonnte jedoch nichts ausrichten, weil die Masse keinem Versprechenmehr traute. Das Volk verlangte das Original von einem Freiheits-Privilegium Karl's V. zu sehen, welches die von diesem Kaiser derStadt ertheilten, nachher aber absichtlich in Vergessenheit gebrachtenRechte enthielt. Das Original des Documents war nicht zu finden.Das Volk gerieth daher in noch größere Wuth, und sammelte sichvon allen Enden her in Neapel, wo jetzt nicht mehr der Vice-König, sondern Masaniello regierte. Der Vice-König suchte, da ersich auch in St. Elmo nicht für sicher hielt, aufs neue im Castelnuovo eine Zuflucht. Dahin folgten ihm der Prinz Bisignano undder Kardinal Trivulzio, welcher gerade um diese Zeit aus Mailandnach Sicilien gesandt wurde, nebst einem Theile des vom Volkebedrohten Adels. Er ward im Castel nuovo sehr bedrängt, weil dasVolk vermittelst der geplünderten Waffen-Vorräthe über zwanzig-tausend Mann ausgerüstet hatte. Außerdem waren sechszehn Kano-nen aufgestellt und alle Anstalten getroffen, um den Palast und dieHäuser des hohen Adels, in denen man noch immer Mitgliederdesselben antraf, durch Feuer zu vernichten und die Bewohner zuermorden.

Das Volk erwählte endlich Masaniello förmlich zum Hauptedes jetzt souveränen Pöbels (OuMaii ^enerulo cte! popolo). Diesersammelte darauf einen plebejischen Hof um sich, und der Vice-König sah mit Vergnügen, daß der vorher zerlumpte Fischer, wel-chen das ganze Volk Tag und Nacht bewachte, hochmüthig gewordensei. Er betrachtete ihn als wirkliches Haupt des Volkes, weilMasaniello, wie einst der römische Tribun Cola Nienzi (s. TH.VIII.,S. 190 u. 193 ff.), vom Volke gewählt bei demselben auch unbe-dingten Gehorsam fand. Masaniello, welcher an der Spitze von