Band 
[Fünfzehnter Band.]
Seite
474
JPEG-Download
 

474

beschichte der neueren Zeit.

Die Reste des bei Sinsheim geschlagenen Heeres vereinigtensich mit anderen kaiserlichen Truppen und mit der Reichs-Armee,zu welcher nachher auch achttausend Soldaten des Bischofs vonMünster stießen. Der General Dünewald machte damals einenallgemein bewunderten Marsch von Darmstadt die ganze Bergstraßeherauf nach Mannheim, wo man über den Rhein setzen wollte. InHeilbronn wurde am 11. September ein Kriegsrath gehalten, demauch Kurfürst Friedrich Wilhelm beiwohnte. Da aber Bournonvilleein Verräther war, und von den Mitgliedern des Kriegsrathesjeder befehlen, keiner gehorchen wollte, so war nicht daran zu denken,daß man einem General wie Türenne, welcher bei seinenTruppenein unbedingtes Ansehen hatte, die Spitze hätte bieten können. Ob-gleich im Rathe zu Heilbronn niemand einer Schlacht gedacht hatte,so lieferte doch Bournonville, anstatt das heranziehende bran-denburgische Heer zu erwarten, welches nachher schon am 11. Ok-tober eintraf, am 3. Oktober bei Ensisheim unweit Straßburgein Treffen. Er wurde in demselben geschlagen. Wenige Tagedarauf setzte Friedrich Wilhelm bei Straßburg über den Rhein; erfand jedoch dort bei Bournonville so wenig Neigung, dem großenfeindlichen Feldherrn eine entscheidende Schlacht zu liefern, daß diesersich nach einigen blutigen Gefechten an der Saar heraufziehen undin Lothringen die Winter-Ouartiere beziehen konnte. Von hier ausbenutzte Türenne die Zwietracht und Unordnung, welche im feindlichenHeere herrschten, zu einem plötzlichen Überfalle. Bournonville hatte,woraus man ihm nachher vor dem Kriegsgerichte einen Vorwurfmachte, die Bewohner des oberen Elsasses, in welchem seine Truppenlagen, so sehr gepeinigt, daß überall Mangel entstanden war, unddaß man dadurch genöthigt gewesen war, die Truppen weit auseinander zu legen. Die Quartiere des kaiserlichen Heeres erstrecktensich von Ensisheim bis nach Mümpelgard und Basel, die der Bran-denburger von Kolmar bis nach Malmünster, die der Lüneburgervon Schlettstadt bis nach Straßburg. Da diese Stellungen nochdazu schlecht bewacht wurden, so war es für Türenne, welchenCondö mit zehntausend Mann verstärkt hatte, sehr leicht, die Feinde

auch in Gaillard's Ilistoirs äs la rivalits äs I» krause st äs I'küpLZns,vol. VIII, x. 37. Beide Briefe fiud von demselben Datum (dem 87. Juli 1674).