Frankreich. Holländischer Krieg Ludwig's XIV- 475
bei Mühlhausen unvermuthet zu überfallen und ihnen einenbedeutenden Verlust beizubringen. Sie sammelten sich zwar beiKolmar wieder; aber ihre Anführer waren und blieben nicht nurin stetem Zwist, sondern sie waren auch zum Theil verkauft, oderverfolgten ihre besonderen politischen Zwecke, nicht die militärischender Gesammtheit. Türenne griff daher am 13. Januar 1675 dieDeutschen, die sich wieder über den Plan der Schlacht heftig zankten,bei Türkheim an. Es erfolgte eine blutige Schlacht, und indieser verloren zwar nach den deutschen Berichten die Franzosenviele Leute, ihre Gegner wagten aber dessen ungeachtet nicht, jenseitdes Rheins zu bleiben, sondern kehrten schon am 11. Januar aufdas rechte Ufer zurück.
Über den Verrath Bournonville's kann kein Zweifel sein;die Generale Caprara und Dünewald weigerten sich sogar, fernermit ihm zu dienen. Er wurde daher auch vor ein Kriegsgerichtgestellt, aber freigesprochen. Einige der Fragen, die man bei dieserGelegenheit ihm vorlegte, können beweisen, daß es damals mit deröstreichischen Aristokratie nicht besser stand, als jetzt mit der eng-lischen. Man fragte ihn z. B., warum er seine im Sundgau zer-streuten Leute nicht sogleich gesammelt habe; warum er elf Tagenach erhaltener Nachricht von Türenne's Marsch sich gar nichtgerührt habe; warum er gerade im entscheidenden Augenblicke zumKurfürsten von Brandenburg nach Colmar gereist sei, ohne diesemetwas zu sagen, was er ihm nicht auch durch einen Dritten hättemittheilen lassen können u. s. w. Nachher erhielt übrigens Bour-nonville wieder ein Commando in Catalonien. Sein GönnerLobkowitz war im Oktober 1674 gestürzt worden, nachdem manzuvor den geheimen Secretär desselben verhaftet und aus den beidiesem gefundenen Papieren den Beweis erhalten hatte, daß Beidedie öffentliche Sache verrathen hatten. Doch hatte es erst noch derHülfe der Kaiserin bedurft, um Lobkowitz ganz zu entfernen. Diesgeschah am 16. Oktober, an welchem Tage der Kaiser ohne ihnmit Schwarzenberg, Zinzendorf und Lamberg eine Nathssitzung hielt.Am nächsten Morgen wurde Lobkowitz verhaftet; er speiste aberauch an diesem Tage noch allein mit dem Pater Emmerich. Nach-her erklärte man ihn seiner Amter und Ehren verlustig, und zogseine Güter ein. Nach seinem Sturze wurde das Kabinet von dem