476 Geschichte der neueren Zeit.
Kanzler Paul Hscher, einem persönlichen Feinde des Kurfürstenvon Brandenburg, geleitet. An Bournonville's Stelle aber erhieltMontecuculi den Oberbefehl des Heeres.
Während Kurfürst Friedrich Wilhelm von Brandenburg, vonwelchen Beweggründen er dabei auch geleitet sein mochte, mit demErbfeinde des Reiches für die deutsche Ehre und für einen Kaiserkämpfte, dessen hochgeborene Minister und Generale ihn betrogenund verriethen, bereitete die feile und in Üppigkeit versunkene schwe-dische Aristokratie ihm die Gelegenheit, zu beweisen, daß die Eigen-schaften, welche Gustav Adolf ausgezeichnet hatten, auf ihn und dieTüchtigkeit des schwedischen Heeres aus das seinige übergegangenseien. Ein Theil des schwedischen Reichsrathes war bekanntlichganz an Frankreich verkauft, wünschte aber die Subsidien des fran-zösischen Königs fort zu beziehen, ohne daß man sich öffentlich gegendie Feinde desselben erklären müsse. Dies war im Sommer 1674,als das deutsche Reich den Franzosen den Krieg erklärt und Däne-mark sich ihm angeschlossen hatte, nicht länger möglich geschienen,weil Ludwig gefordert hatte, daß Schweden wenigstens den Kurfürstvon Brandenburg abhalten solle, dem Bunde seiner Feinde beizu-treten. Man hatte daher den Kurfürsten durch den schwedischenGesandten auf jede Weise bearbeiten lassen, damit er am Reichs-kriege keinen Theil nehme. Als diese Bemühungen fruchtlos ge-blieben und der Kurfürst mit seinem Heere nach dem Elsaß aufge-brochen war, hatte nicht nur der schwedische Gesandte am 10. Oktober1674 das brandenburgische Lager verlassen, sondern es waren auchschwedische Truppen unter dem alten Feldmarschall Karl GustavWrangel als Verbündete der Franzosen nach Deutschland über-gesetzt worden, die dann im Januar 1675 in die Mark Branden-burg einbrachen und sich dort einquartierten. Diese Truppen übtenzwar vorerst keine Feindseligkeiten; ihr Führer erklärte aber aus-drücklich, daß Schweden die völlige Vertreibung der Franzosen ausDeutschland nicht zugeben könne. Den wahren Grund davon,nämlich die Furcht, nicht länger französische Subsidien zu erhalten,hütete sich Wrangel auszusprechen; er versteckte vielmehr nach derArt frommer Leute die wahre Absicht hinter die heuchlerische Er-klärung, die Vertreibung der Franzosen aus Deutschland würde denUntergang der Evangelischen zur Folge haben.