Frankreich. Ludwig XIV. und Pabst Alexander VII. ZZg
wieder auf. Sein Grundsatz, daß Heeresmacht, Gewalt und großerReichthum Quelle des Rechtes und des Guten seien, herrscht inganz Europa. Seine Art, über Religion und Kirche zu denkenund zu schalten, ist jetzt sogar von protestantischen Regenten undPrälaten angenommen worden. Wer könnte wagen zu behaupten,daß Ludwig und die englische Aristokratie, Beide auf ihre Art, dasbeste Muster einer Regierung sind, welche den Völkern gefällt unddauernden Ruhm verleiht? Sogar gegen den Pabst und gegendie philosophischen Theologen seiner Zeit machte Ludwig odervielmehr sein ihm schmeichelndes Ministerium die monarchischeGewaltherrschaft auf eine brutale Weise geltend.
Ludwig XlV. ließ mehrere Päbste seine Willkür und despotischeLaune fühlen. Der erste von diesen war Alexander VII (FabioChigi), welcher als Pabst auch dadurch merkwürdig ist, daß erden Jesuiten zu Gefallen das mit furchtbaren Drohungen begleiteteVerbot erließ, an der unbefleckten Empfängniß der JungfrauMaria, von der wir neulich wieder soviel gehört haben, zu zweifeln.Ludwig's Streit mit ihm, welcher von 1662 bis 1664 dauerte, hattedurchaus keine Beziehung zum Kirchlichen, sondern der Beherrschervon Frankreich ließ nur den Fürsten des Kirchenstaates empfinden,daß er, gleich allen kleineren Regenten Europa's, den großenKönig als seinen Richter anerkennen müsse, auch wenn er inseiner eigenen Sache Recht spreche. An und für sich war der Streitmit Alexander nur eine Folge des lächerlichen Stolzes, welchen derfranzösische Gesandte in Rom, der Herzog von Crequi, undder Bruder des Pabstes, der Kardinal Mario Chigi, gegeneinander zeigten; und es ist schwer zu sagen, wer sich dabei aminsolentesten benahm, der Franzose oder der Jtaliäner. Der Pabstselbst hatte früher als Nuntius bei den Unterhandlungen über denwestphälischen Frieden, soviel er konnte, für Spanien gearbeitetund die französischen Plane vereitelt; und um Rache dafür zunehmen, hatte Ludwig den sehr hochmüthigen, unleidlichen Herzogvon Crequi als Gesandten nach Rom geschickt. Die Dienerschaftdieses Gesandten gerieth alsbald mit Soldaten der aus Korsenbestehenden Leibwache des Pabstes in Händel. Am 20. August 1662kam es sogar zu einem förmlichen Kampfe zwischen den Franzosenund den Korsen. Die Letzteren unterlagen in diesem Kampfe; sie