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Geschichte der neueren Zeit.
gehabt habe, den König zu ermähnen und zu warnen. Zugleichweigerte er sich, den vom Könige ernannten Bischöfen die Bcstäti-gungsbulle zu ertheilen, ohne welche sie keine bischöflichen Amts-handlungen vornehmen konnten. Es wurde zwar viel mit ihmunterhandelt; er erklärte aber immer, er werde sich nicht eher aufetwas einlassen, als bis die Artikel von den Rechten der gallikani-schen Kirche aufgehoben seien. Frankreich befand sich also damalsdem Pabste gegenüber fast in derselben Lage, wie unter Bonaparte,und Ludwig benutzte jede Gelegenheit, den Pabst zu kränken.
Anlaß zu neuem Streite war eine durchaus weltliche Angelegen-heit, die sogenannte Quartier-Freiheit der Gesandten ampäbstlichen Hofe. In dieser Sache war das Recht offenbar ganzauf Seiten des Pabstes; die Art aber, wie König Ludwig sich dabeigegen ihn benahm, konnte allen Fürsten zeigen, was ihnen drohe,wenn Ludwig das Übergewicht in Europa behaupte, welches ergleich nach dem Nymwegener Frieden erlangt hatte. In Rombestand damals noch der Misbrauch, daß alle Gesandten im Um-kreise ihrer Wohnungen eine von der päbstlichen unabhängigeGerichtsbarkeit hatten, und jeden Menschen ohne Ausnahme dortaufnehmen konnten. Diese sogenannten Gesandtschafts-Quartiere(krsmetüLre) waren in Folge davon die Zufluchtsstätten des flüch-tigen Gesindels aller Rationen geworden. Jnnocenz XI. hatte aberdas edele Streben, dem Banditen-Wesen im Kirchenstaate zusteuern,eine Polizei in Rom möglich zu machen und überhaupt die her-gebrachten Misbräuche auszurotten. Er erklärte daher, er werdekeinen Gesandten mehr annehmen, der nicht dem Rechte derQuartier-Freiheit entsage. Dies thaten dann auch die Gesandtendes Kaisers, Spanien's, Polen's, England's und Venedig's; Frank-reich dagegen widersetzte sich dem gerechten Verlangen des Pabstesauf eine beleidigende Weise. Als nämlich 1687 der französischeGesandte d'Estroes gestorben war, mußte dessen Nachfolger,Lavardin, auf Ludwig's Befehl die Fortdauer der Quartier-Freiheit verlangen. Der Pabst erklärte dagegen jeden für ercom-municirt, der auf diesem Rechte bestehen werde. Trotz dieserErklärung hielt Lavardin am 16. November 1687 seinen Einzugim Rom auf eine solche Weise, daß es schien, als wenn er dieStadt militärisch besetzen wolle; denn er zog an der Spitze von