Band 
[Fünfzehnter Band.]
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Geschichte der neueren Zeit.

hatten nach einander Wohnung, Rang nnd Hofstaat, wie wenn sieKöniginnen wären. Weiter als Alle brachte es die Wittwe des durchkomische Romane und Gedichte berühmten Scarron, welche unterdem ihr ertheilten Titel einer Marquise von Maintenonebenso berühmt geworden ist, wie der König selbst. Ihr Großvaterwar der geistreiche d'Aubigne; sie selbst ward in der Kindheit solange geplagt, bis sie von dem Protestantismus, dessen edelster undgeschicktester Geschichtschreiber ihr Großvater gewesen war, zur ka-tholischen Lehre übertrat. Daß sie in ihrer Jugend außerordentlichschön und liebenswürdig war, berichten alle Zeitgenossen. Sie warjedoch so arm gewesen, daß sie, um leben zu können, den krankenund durch Gicht ganz verzogenen Scarron geheirathet hatte. Siepflegte denselben bis an sein Ende mit unbeschreiblicher Treue.Diese Sorgfalt für ihren Gatten, die Leiden, die sie erduldet hatte,und ihr streng keusches Leben in einer lüderlichen Zeit lassen unsglauben, daß sie wirklich alle die Tugenden besessen habe, welchevon ihr gerühmt werden. Doch glauben wir zugleich, daß sie imvertrauten Umgänge mit der Ninon de Lenclos, die wir inunserer Manier eine weltberühmte Dirne nennen würden, eine fürihren nachherigen Beruf sehr passende Bildung erhielt. Zu diesemBerufe gelangte sie durch die damalige erklärte Maitresse des Kö-nigs, die Frau von Montespan, der sie empfohlen worden war,und die ihr die Sorge für ihre dem Könige geborenen Kinder über-trug. Da sie schön, außerordentlich geistreich und jesuitisch fron.mwar, so ward Ludwig bald durch ihre Unterhaltung gefesselt, unddie Montespan mußte ihr weichen. Sie bemächtigte sich des Königsgänzlich, hielt sich aber, selbst als 1683 die Königin gestorben warund Ludwig sie ganz wie seine Gemahlin behandelte, durchaus inden Schranken des Anstandes, und nahm öffentlich keinen Vorrangin Anspruch. Dagegen genoß sie in ihren Zimmern und in denendes Königs aller der Auszeichnungen und Ehren, welche einer Kö-nigin gebührten. Daß sie und Ludwig später, als Beide eine ganzbesondere Kirchlichkeit afsectirten, durch den Erzbischof von Paris,dü Harlay, in einem Kabinet des Königs in Gegenwart desköniglichen Beichtvaters, des Pater La Chaise, förmlich getrautwurden, und daß Montchevreuil, der Ritter Forbin und Bontempsdieser Handlung als Zeugen beiwohnten, ist ausgemacht; die Zeit