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[Fünfzehnter Band.]
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543
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Frankreich. Ludwig XIV. und die Iansenisten. 543

Von dieser Zeit an bildete sich in Frankreich, gegenüber denjesuitisch-Päbstlichen Schulen der Theologie, eine Schule philosophi-scher, asketischer und catonisch strenger Gottesgelehrter; und dieseward, was damals wegen des geistlichen Rechtes möglich war, einetheologisch-juristische Schule, welche bald in den Parlamenten dasÜbergewicht erhielt. Die ausgezeichnetsten Männer dieser französi-schen Iansenisten hatten in dem Kloster Port Royal bei Pariseine Anstalt für strenge Erziehung, Bildung, strenge Vußübung undgründliche Gelehrsamkeit geschaffen, und zum großen Ärger derJesuiten die beste Logik, Rhetorik und Poetik der Franzosen geschrie-ben. Nichtsdestoweniger ließ König Ludwig den Jesuiten zu Ge-fallen alle aus dieser Schule hervorgegangenen Männer grausamverfolgen und sogar das Kloster Port Royal zerstören. Diese Ver-folgung der Iansenisten, einesArnauld d'Andilly, eines Ques-nel, NicolePascal, dü Verger de Hauranne, Abbts vonSt. Cyran oder Sisteron, hängen leider ebenso, wie die grausameVerfolgung und Vertreibung der Protestanten aus Frankreich, engemit der Geschichte der Maitressen zusammen, denen Ludwig einekönigliche Existenz am Hofe gab, und die er mit fürstlichen Be-sitzungen und Reichthümern begabte. Wir müssen daher auch überdiese einige Worte sagen.

Die französischen Geschichten und Denkwürdigkeiten enthaltenganze Bände über die Privat-Geschichte des Königs und der Per-sonen seines Hofes, sowie über die Liebschaften und Abenteuer derangesehenen Personen und königlichen Geliebten. Dies Alles mußein Franzose wissen, weil es in die Literatur und in die Conversa-tion der Salons übergegangen ist. Ein Deutscher dagegen könntenur durch Neugier dazu getrieben werden. Da wir diese nichtnähren wollen, so können wir uns kurz fassen. Schon als Jünglingfaßte Ludwig eine so leidenschaftliche Liebe für eine der Nichtendes Kardinals Mazarin, die Maria Mancini (s. S. 367), daßer nur mit Mühe abgehalten werden konnte, eine rechtmäßige Ehemit derselben zu schließen. Nach dieser mehr idealen Verbin-dung lebte er in realen und sinnlichen Verhältnissen, zuerst mitElisabeth Tarneaur und dann nach einander mit der LaBalliere (s. S. 376), der La Motte d'Argencourt,der Montespan und der Fontanges. Alle diese Damen