Band 
[Fünfzehnter Band.]
Seite
551
JPEG-Download
 

Siebenbürgen und die Türkei. Georg Nagoczy II. 851

geleiten sollten. Sein General Kemeny hatte ein härteres Schick-sal. Er mußte sich Ende Juli den Tataren gefangen geben, undseine Leute wurden in die Sklaverei geschleppt. Später fielen diePolen in Ungarn ein, und verheerten oder zerstörten über dreihun-dert Dörfer. Nagoczy gerietst damals in eine äußerst schlimme Lage.Die Siebenbürger verlangten von ihm, daß er ihre von den Tata-ren zu Sklaven gemachten Landsleute mit seinem eigenen Geldeloskaufe. Zu gleicher Zeit war der Sultan über ihn wegen desKriegszuges nach Polen so sehr aufgebracht, daß er ihn absetzteund sich durch keine Art von Demüthigungen besänftigen ließ. DieSiebenbürger erwählten hierauf nach einander die Magnaten Rhe-dei und Barksay an Ragoczy's Stelle. Diese versprachen ihremVorgänger, ihn aufs neue als Fürsten anzuerkennen, wenn dieTürken sich mit ihm aussöhnten. Der Sultan wies jedoch alleBitten Ragoczy's zurück. Nagoczy beschloß daher 1658, die Türkenmit den Mitteln seiner Erbgüter in Ungarn und Siebenbürgen zubekriegen, nachdem er sich vergebens sowohl an die Stände vonSiebenbürgen, als auch an Kaiser Leopold um Hülfe gewandthatte.

Diese Begebenheiten fanden in einer Zeit Statt, in welcher dieSultane zwar nur ihren Lüsten lebten, dabei aber das Glück hatten,daß zwei Groß-Veziere, Mohammed Köprili und sein Sohn AhmedKöprili, nach einander im Kabinet und im Felde den Nationalsinnihres Volkes neu belebten. Der ältere dieser beiden Veziere, Mo-hammed Köprili, hatte das Glück gehabt, sowohl die blutbefleckteHerrschaft des wollüstigen Tyrannen Murad IV., unter welchemAufruhr und Verwirrung das Reich schwächten, als auch die mitSchändlichkeiten angefüllte Regierung des elenden Ibrahim zu über-leben. Unter dem erbärmlichen Nachfolger des Letzteren, Moham-med IV., wurde er von dessen Mutter, der sogenannten Valide,welche den größten Theil der Verwaltung in ihren Händen hatte,zum Retter des Reiches bestimmt. Er übernahm im September 1656das Amt eines Groß-Veziers nicht eher, als bis die Valide undder Sultan selbst ihm eine fast ganz unabhängige Gewalt, wiesie etwa die Majordomus der letzten Merowinger besessen hatten(s. Th. V., S. 341 f.), übertragen und diese Übertragung mit einemfeierlichen Eide bekräftigt hatten. Die Erwählung Mohammed Kö-