558
Geschichte der neueren Zeit.
Kaiser über Siebenbürgen, welcher unfehlbar zu einem Kriege mitUngarn und Deutschland führen mußte.
Der Kaiser schickte 1662 Montecuculi den Siebenbürgernund Ungarn zu Hülfe, unterhandelte aber zugleich mit den Türken,welche, nicht damit zufrieden, Apaffi als ihren tributpflichtigen Va-sallen in Siebenbürgen einzusetzen, dieses Fürstenthum ganz einzie-hen und in ein türkisches Paschalik verwandeln wollten. Der Kaiserfand weder die Deutschen, noch die Ungarn geneigt, ihm gegen dieTürken beizustehen. Auch warnte ihn sein Liebling, der Graf undnachherige Reichsfürst Johann Ferdinand von Portia, sowieder spanische Minister vor jeder Rüstung gegen die Türken. Dieprotestantischen Ungarn wollten nicht einmal kaiserliche Truppen inihrem Lande dulden, weil dieselben gebraucht wurden, um die ka- ,jholischen Landherren bei ihren Bedrückungen protestantischer Unter- >thanen und bei der Zerstörung protestantischer Kirchen zu unter- ;stützen. Von dem Jtaliäner Montecuculi wollten sie gar nichts 'wissen; man klagte ihn des Fanatismus, des Übeln Willensund böser Ränke an. Es waren daher noch immer keine ordentli-chen Anstalten getroffen, als der Vezier, nachdem er unter den ge-wöhnlichen Feierlichkeiten vom Sultan zum Seraskicr ernanntworden war, am 19. März 1663 von Adrianopel nach Belgrad auf-brach. Hier wurde eine Unterhandlung angeknüpft; die Türken be-nahmen sich aber gegen Leopvld's Bevollmächtigte auf brutale Weise,und verwiesen sie zuletzt auf eine neue Conferenz in Essek. Im Mai ,kam auch der deutsche Reichstag zusammen, und bewilligte demKaiser ein Reichsheer, welches an Zahl etwa dem dritten Theiledes türkischen entsprach. Diese Truppen waren jedoch noch nichtzusammengebracht, geschweige denn an der Grenze aufgestellt, als ^im Juli den kaiserlichen Gesandten Anträge gemacht wurden, die !sie unmöglich annehmen konnten. Die Türken zogen hierauf gegen jdie Festung Neuhäusel, nachdem sie den Commandanten derselben,den Grafen Forgatsch, bei Barkan geschlagen und von den indiesem Treffen gemachten Gefangenen auf Befehl des Veziers sie-benhundert theils zusammengehauen, theils mit Messern förmlichwie Mastvieh geschlachtet hatten. Die Festung ward durch den Gra-fen Forgatsch und den Marchese Pio von Mitte August bis EndeSeptember tapfer vertheidigt, mußte aber dann übergeben werden,