588 Geschichte der neuere» Zeit.
Besoldung wurde auf dem Reichstage, nach löblicher deutscherSitte, so lange gestritten, bis der Markgraf der Sache durch dieedele Erklärung ein Ende machte, die Ehre werde ihm Besoldungsein. Dabei versahen die deutschen Reichsstände nicht nur dieReichs-Junkerschaft reichlich mit Stellen in ihrem Heere, welchesnoch gar nicht eristirte, sondern sie bestellten auch, als wenn nichtschon der kaiserliche Hof-Kriegsrath Hemmniß genug wäre, ausEifersucht auf den Kaiser einen Neichs-Kriegsrath, welcher in Wienresidiren sollte. Es ward jedoch nichts aus der Sache, weil dieMänner, die man zu Kriegsräthen ernannt hatte, der BischofBernhard von Münster, der Markgraf Friedrich vonBaden und vier andere Herren, zwar gemein genug waren, einemonatliche Besoldung von achthundert Reichsthalern für die beidenPräsidenten und von dreihundert Reichsthalern für die Beisitzer zubeziehen, zum Rathen aber zu spät kamen.
Außer dem deutschen Reiche gewährten auch andere Staaten undFürsten dem Kaiser oder vielmehr der von den Barbaren bedrängtenChristenheit ihren Beistand. Ludwig XIV., welchem Ahmed Köprilidie Genugthuung für eine grobe Beleidigung seines Gesandten ver-sagt hatte, schickte sechstausend Mann auserlesener Truppen unter demGrafen Coligny. Pabst AlexanderVII. versprach siebemnalhundert-tausend,die Republik Genua zweimalhunderttausend Dukaten. Auch Flo-renz und Mantua schickten Geldsummen und freiwillige Streiter. DerKönig von Schweden sandte außerdem, was er als deutscher Reichsfürst zuleisten hatte, noch zweitausendfünshundert Mann, während Friedrich III.von Dänemark sich mit dem letzten erschöpfenden Kriege entschuldigte.Dagegen zeigte sich bei dieser Gelegenheit deutlich, welche Völker Europa'strotz ihres Köhlerglaubens Geld und Handel höher schätzten, alsChristenthum und Civilisation. Die Krämer Europa's nämlich,also die reichsten christlichen Völker, die Engländer und Holländer,entschuldigten sich, daß sie es ihres Handels wegen mit den Türkennicht verderben dürften.
Das Hauptheer der Türken sollte im Herbst 1663 an der Donauher nach Belgrad und dann im Frühjahr 1664 über die einst vonSuleiman dem Großen über den Morast gebaute Brücke bei Essek
Reiterei. Graf Wolfgaug Julius von Hohenlohe commandirte das schon tS63nach Steiermark geschickte Corps des rheinischen Bundes.