3tz2 Geschichte der neueren Zeit.
Städten Siebenbürgen's und Ungarn's geladen hatten, nachdem die-selben geplündert und niedergebrannt und ihre Einwohner zuSklaven gemacht worden waren. Es ist daher leicht glaublich,wenn man uns erzählt, daß mancher Soldat des siegenden Heeresmehr als vierhundert Gulden Beute gemacht habe. Übrigensschrieb man diesen Sieg besonders dem Talent des Herzogs Au-gust von Holstein und der Generale Caprara und Heister,sowie der Tapferkeit der Heidelberger Kürassiere und des Heister'-schen Regiments zu.
Das zweite Treffen ward zwischen Körmend an der Raab unddem Kloster St. Gotthard, nach welchem dasselbe benannt wird,geliefert. Montecuculi war eine Zeitlang, und zwar diesmal ausguten strategischen Gründen, zögernd und manövrirend dem Heeredes Groß-Vezicrs ausgewichen. Erst nachdem die Reichstruppen,sowie die italiänischen und zahlreiche andere Hülfsvölker nach undnach bei ihm eingetroffen waren, und nachdem er den zweimaligenVersuch der Türken, über die Raab zu gehen, vereitelt hatte, ent-schloß er sich, dem Groß-Vezier ein entscheidendes Treffen zu lie-fern. Die Türken hatten, als Montecuculi sie am 1. August 1664bei St. Gotthard angriff, den Kern der französischen, deutschen,italiänischen und spanischen Ritterschaft gegen sich, und diese beeifer-ten sich, ihrer Ahnen würdig zu sein. Beide Heere warm, wennman den ungeheueren Troß und das Gesinde!, welche türkischenHeeren folgen, abrechnet, ungefähr gleich stark. Unter dem Groß-Vezier commandirten die Paschas von Aleppo, Damascus, Arme-nien und Bosnien. Man kämpfte von neun Uhr Morgens bis vier UhrNachmittags, da sich die Janitscharen lieber in den Bauernhäusernverbrennen ließen, als daß sie sich ergeben hätten. Die beidenfranzösischen Befehlshaber, Coligny und La Feuillade, zeich-neten sich ebenso sehr aus, als die deutschen Neichstruppen sichungeschickt benahmen. Doch bewiesen einzelne Fürsten und Herrender Letzteren große Tapferkeit. Der Markgraf von Baden hatte,obgleich er krank war, sein Pferd bestiegen, um am Kämpfe Theilzu nehmen. Der junge Herzog Karl IV. von Lothringen,ein Neffe des aus der Geschichte Ludwig's XIII. und XIV. bekanntenHerzogs Karl III., riß dem türkischen Standarten-Träger, der ihnmit der Spitze der Stange durchbohren wollte, die Standarte aus