Band 
[Fünfzehnter Band.]
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Türkei. Die Schlachten bei Lewenz u. St. Gotthardt.

der Hand, und erlegte den Anführer der Leibwache des Groß-Veziers.Der Sieg bei St. Gotthard oder eigentlich bei Moggendorf warder glänzendste, den die Christen seit dreihundert Jahren über dieosmanischen Türken erfochten hatten, und unermeßliche Beute fielden Siegern in die Hände.

Schon vor der Schlacht bei St. Gotthard hatte Kaiser Leopold I.durch Renninger Friedensunterhandlungen anknüpfen lassen. Diesewaren, da die Türken den kaiserlichen Bevollmächtigten gefangenvon Ofen aus mitgenommen hatten, während der ganzen Dauerdes Marsches beider Heere geführt worden; und schon am 10. Au-gust, wenige Tage nach der Schlacht bei St. Gotthard, kam zuVasvar (Eisenburg) eine Übereinkunft zu Stande. Die Türkengewährten, da sie einen eigentlichen Frieden nie schlössen, dem Kaisereinen Waffenstillstand auf zwanzig Jahre. Er mußte aber dafürnicht blos versprechen, Geschenke im Werthe von zweimalhundert-tausend Thalern nach Constantinopel zu schicken, sondern auch dieTürken als Obcrherren von Siebenbürgen, sowie ihren dortige» Va-sallen Apaffi anerkennen, und noch dazu die ihm kürzlich entrissenenFestungen Novigrad, Groß-Waradein und sogar das in der NeutraerGespanschaft wenige Meilen von Wien gelegene Neuhäusel in denHänden der Türken lassen. Die Annahme einer solchen Überein-kunft von Seiten des siegenden Theiles ist aus dem Umstände zuerklären, daß es dem kaiserlichen Heere an Pulver und Proviant,sowie dem Kaiser selbst an den zur Anschaffung von Beidem nö-thigen Geldern fehlte. Nichtsdestoweniger würde, so elend auch dasKabinet des guten, höchst bigotten und gelehrten Kaisers beschaffenwar, ein solcher Frieden nach zwei so glänzenden Siegen unerklärlichsein, wenn die Lage Europa's es nicht unmöglich gemacht hätte, dassiegende Heer beisammen zu halten, oder auch je wieder auf dieselbeWeise zusammen zu bringen. Außerdem wollten die protestantischenUngarn lieber den Druck der Türken dulden, als die Verfolgungder Jesuiten, welche der Kaiser, sein Pater Emerich und sein Günst-ling Fürst Portia ihnen aufdrangen. Das Letztere war es auch,was den tapferen Zriny, Ban von Kroatien, tödtlich mit Monte-cuculi entzweite, und die angesehensten der ungarischen Magnatenauf den Gedanken brachte, sich ganz von der östreichischen Herrschaftloszumachen.