Band 
[Fünfzehnter Band.]
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569
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Die Ungarn und Kaiser Leopold I. F89

einen Palatinus zu ernennen, die neu eingeführten Auflagen abzu-schaffen und die Reichsämter nur an Inländer zu vergeben. Dazukonnte sich jedoch Leopold's Kanzler Paul Hocher nicht verstehen.Das Rauben und Plündern von Seiten der Insurgenten und derTürken hatte daher seinen Fortgang; und gerade um jene Zeitereigneten sich in Ungarn und in Polen Veränderungen, welche denungarischen Rebellen Vortheilhaft waren. Im Juli 1676 starbFranz Ragoczy, dessen Wittwe nachher (1682) das Haupt derInsurgenten, Emerich Tököli, heirathete. Außerdem war im Jahre1674 Johann Sobiesky, welcher eine Französin zur Gemahlin hatte,zum König von Polen gewählt worden, uud sein Schwager, derMarquis de Bethüne, welchen Ludwig XIV. als seinen Ge-sandten nach Polen schickte, erhielt Erlaubniß und Vollmacht, Tö-köli mit Geld und auf jede andere Weise zu unterstützen. Apaffischickte hierauf drei Abgeordnete nach Warschau, und mit diesenschloß Bethüne am 27. Mai 1677 ein Bündniß, in welchem denungarischen Insurgenten französisches Geld, sowie polnische undsiebenbürgische Truppen versprochen wurden.

So lange der alte Vezier Ahmed Köprili lebte, scheitertenalle Bemühungen Ludwig's XIV., in Ungarn einen offenen Kriegzu erregen, damit er seinerseits mitten im Frieden neue Eroberungenmachen könne. Als der friedliebende Vezier Ende Oktober 1676gestorben und sein kriegerischer Schwager, Kara Mustapha, ihmim Amte gefolgt war, schloß Ludwig neue Verträge mit den In-surgenten. Er schickte zwei Gesandte an Tököli, der sich rühmte,daß er achttausend Mann habe; und diese versprachen demselben ineinem besonderen Vertrage, ihn durch fünfzehntausend Siebenbürger,sowie durch fünftausend Polen, welche mit französischem Gelde ge-worben werden sollten, zu verstärken. Zum Glück für den Kaiserwaren jedoch die ungarischen Magnaten unter sich eifersüchtig undmistrauisch, so daß sie im Jahre 1678, als sie Michael Telekizum Oberfeldherrn ernannt hatten, demselben einen Kriegsrath vonzwölf Personen zur Seite setzten. Auch ließen sie die Polen fürdie Dauer des Winters wieder nach Hause zurückkehren. Es wardaher nicht möglich, etwas Bedeutendes zu unternehmen. Der neueOberbefehlshaber Teleki konnte sich außerdem mit den Franzosenim Kriegsrathe nicht vertragen; er überließ also den Oberbefehl