572 Geschichte der neueren Zeit.
1682 den Grafen Albrecht von Capsrara, den Bruder desGenerals, als Gesandten nach Constantinopel, um einen neuenFrieden zu erbetteln oder zu erkaufen. Der Groß-Vezier verlangtejedoch, daß Leopold für einen auf zwanzig Jahre zu schließendenFrieden eine Million Dukaten zahlen, ganz Ungarn bis an dieTheiß, sowie alles Land zwischen Neuhäusel und Trentschin ab-treten, Leopoldstadt schleifen und alle Misvergnügten wieder in ihreGüter einsetzen sollte. Auf solche Forderungen konnte man freilichin Wien nicht eingehen. Der Groß-Vezier beschloß daher im fol-genden Jahre (1683), durch einen nach Östreich zu unternehmendenGlaubenszug Tököli in Ungarn als türkischen Vasallen oder, wie !die Türken sagten, als Kruczen-König einzusetzen. Ein besondererZufall war es dabei, daß gerade an demselben Tage (31. März1683), an welchem der Groß-Vezier mit dem Reichsheere vonAdrianopel auszog, um den Kaiser in seiner Residenz anzugreifen,dieser das Schutz- und Trutzbündniß mit dem polnischen Königeund Reiche unterzeichnete, durch welches nachher Wien gerettet wurde. ^Das türkische Heer, das den Kaiser im Herzen seines Reiches -
angreifen sollte, ist von Wagner in seinem Leben Leopold's l nach ,
dem Berichte Caprara's, welcher der Heerschau bei Belgrad zuge-sehen hatte, und nach den Listen, die man später im Zelte desGroß-Veziers fand, ausführlich beschrieben worden. Es betrug,was wir nicht ohne Bedenken nachschreiben, zweimalhundertunddreißig- ,tausend Mann regulärer Truppen, ohne die zahlreichen Schaaren >von Tataren, Wallachen, Moldauern, Siebenbürgern und Ungarn, >welche dem Heerzuge folgten. Schon im Lager vor Filek warddem Führer der Ungarn, Tököli, auf Befehl des Groß-VeziersFahne, Schwert und Kalpak als Zeichen der ihm überlassenen Herr- ;schaft über die vom Kaiser abgefallenen Ungarn (Kruczen) über- ^
geben, da er den Titel König der Ungarn vorerst ablehnte. In ^
Effek erschien Tököli persönlich vor dem Groß-Vezier und wurdemit allen möglichen Ehren empfangen. Er zog nachher mit seinenUngarn stets dem türkischen Heere voran, um demselben die Wegenach Wien zu zeigen und zu bahnen. In Wien waren nur schwacheAnstalten zur Vertheidigung gegen einen so furchtbaren Feind ge-troffen worden. Doch zogen die Kurfürsten von Sachsen und Baiern,Johann Georg III. und Ferdinand Maria's Sohn, Marimilian