Östreich und die Türkei. Belagerung von Wien 1683. 5^3
Emanuel, für den Kaiser ins Feld, als dieser die ganze Christen-heit aufforderte, seine Hauptstadt, das Bollwerk Deutschland's undder Christenheit, zu retten. Auch der große Kurfürst schickte denFürsten von Anhalt-Dessau mit achttausend Mann nach Wien, underbot sich, noch andere fünfzehntausend Mann zu senden; die Fran-zosen und die Jesuiten brachten es aber dahin, daß Paul Hocherseine Hülfe ablehnte, weil diese protestantischen Truppen bestimmtsein könnten, die schlesischen Herzogthümer zu besetzen, die der Kaiserseit dem dreißigjährigen Kriege dem Kurfürsten vorenthielt*). Aucheine Neichs-Armee war unter dem Befehle des Herzogs Karl IV.von Lothringen und des Markgrafen Hermann von Badengegen die Türken ausgerückt; ihre beiden Führer waren aber nichteinig, und da überdies die Übermacht der Türken zu groß war, sozog sich das Reichsheer wieder zurück.
Schon am 7. Juli war Wien von den Tataren und den unga-rischen Insurgenten von allen Seiten eingeschlossen, so daß derKaiser nur mit großer Noth nach Passau entfliehen konnte. Dortund in der Umgegend durfte er sich, weil der durch die Jesuitenunterdrückte Protestantismus im Stillen fortlebte, nicht anders alsverkleidet sehen lassen. Das Volk verfolgte ihn überall, wo ererkannt wurde, mit Schimpfwörtern und vergriff sich an seinenBegleitern. Sein Aberglauben und seine Begünstigung der Jesuitenhätten, hieß es, die Ungarn gereizt und die Protestanten erbittert.Viele von den ihn begleitenden Jesuiten wurden vom Landsturmerschlagen, anderen setzte man drohend die Flinte auf die Brustund fragte sie, ob sie Jesuiten wären.
Ein Glück war es, daß die mit unerhörtem Troß gegen Wienheranziehenden türkischen Heerschaaren äußerst langsam marschirten.Sie brauchten für den Weg von Raab nach Wien, den ein Reiterin Einem Tage zurücklegen kann, nicht weniger als vierzehn Tage.Man erhielt dadurch die nöthige Zeit, um ganz neue Befestigungen
*1 Jägerndorf hatte 1621 dem Markgrafen Johann Georg, einem Oheimvon des großen Kurfürsten Vater, gehört, und war vom Kaiser ohne Rücksichtauf die Aguateu eingezogen worden (s. Th. XlV. S. 133). Die Herzöge vonLieguitz, Brieg und Welan waren in Erbverbrüderung mit Brandenburg gewe-sen; der Kaiser hatte aber, als ihre Häuser nach einander ausstarbeu, denErbverbrüderungs-Vertrag caffirt und die Lehen eingezogen, ohne daß er, wieman behauptete, das Recht dazu hatte.