Türkei u. Uugaru Mohammed IV- u. Leopold I. Z7N
das Genie-Wesen und die Artillerie leitete, vor allen Anderen durchihre Thätigkeit aus. Schon im Juli wurde viermal Sturm ge-laufen ; jedes Mal mußten aber die Belagerer, trotz ihrer glänzendenTapferkeit, mit sehr großem Verluste wieder zurückweichen. Nachdemhierauf auch im August von beiden Seiten mit gleicher Erbitterunggekämpft und die Burg genommen worden war, wagten die Christenam 2. September einen neuen allgemeinen Sturm. Dieser gelangendlich, und die kaiserlichen und brandenburgischcn Truppen warendie Ersten, welche die Mauern erstiegen. Der Triumph der Christen-heit war unaussprechlich, als die Hauptstadt von Ungarn, welchemehr als hundert Jahre in der Gewalt der Ungläubigen gewesenwar, der Christenheit wiedergegeben wurde.
Nach der Einnahme von Ofen drangen die kaiserlichen Truppenbis in die Nähe Siebenbürgen's vor. Der Fürst Ferdinand vonDietrichstein und Markgraf Hermann von Baden suchtendamals als Commissäre des Kaisers eine Art Allianz mit Apasfizu Stande zu bringen; dieser wollte aber, wie immer, zugleich mitden Türken in Freundschaft bleiben. Das kaiserliche Heer nahmunterdessen den Türken eine Stadt nach der anderen sowohl inUngarn als in Kroatien; und so oft der Groß-Vezier, wie z. B.bei Szigeth, einem bedrohten Orte zu Hülfe eilen wollte, wurde ergeschlagen. In Wien hatte man mittlerweile ein neues kräftigesund thätiges Ministerium gebildet, und Markgraf Ludwig vonBaden, welcher damals sowie später sich um das kaiserliche Hausunsterblich verdient machte, war Präsident des Hof-Kriegsrathesgeworden. Leider befand sich aber unter den siegenden Generalendes Kaisers auch der Neapolitaner Caraffa, welcher im kaiserlichenKabinet an dem böhmischen Kanzler, Grafen Kinsky, eine Stützehatte. Dieser grausame, harte und ganz papistische Mann, welcherzu Unterhandlungen mit dem Groß-Vezier Soliman gebraucht wor-den war, und nachher vor Ofen gute Dienste geleistet hatte, warnach der Einnahme von Ofen nach Ober-Ungarn geschickt worden,um dort die Reste der Insurgenten ganz auszurotten, und verfuhrdabei auf ähnliche Weise, wie man in unserer Zeit in Neapel zuverfahren pflegt. Es ward am 1. Februar 1687 zu Eperies ein Blut-gericht errichtet, dessen Präsident der grausame Caraffa war, undwelches ganz dem bekannten Blutrache Philipp's II. zu vergleichen
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