580 Geschichte der »eueren Zeit.
war (s. Th. XIII., S. 8). Bei diesem Gerichte war es besondersauf die Protestanten in Ungarn abgesehen, welche, um Geständnissevon ihnen zu erpressen, mit unerhörten Foltern und Martern ge-peinigt wurden. Engel gibt in seiner Geschichte von Ungarn dieNamen von einigen dreißig bekannteren Personen an, welche un-gerechter Weise hingerichtet, und deren Güter eingezogen wurden.Unzählige Andere traf dasselbe Schicksal. Das aus dreizehn Perso-nen bestehende Blutgericht wüthete bis in den November. Schongleich anfangs hatten sich bedeutende Stimmen gegen das VerfahrenCaraffa's erhoben, welcher zuletzt aus dem Verfolgen ein förmlichesGeldgeschäft gemacht hatte. Allein die jesuitisch-papistische Partei inWien überwog, und der Markgraf Hermann von Baden, welcher amnachdrücklichsten gegen das grausame Gericht aufgetreten war, wurde,um ihn zu entfernen, als kaiserlicher Bevollmächtigter nach Regens-burg geschickt.
Das Glück begünstigte unterdessen überall die kaiserlichen Waffen,obgleich Tököli's Gemahlin sich fortwährend in Munkatsch behaup-tete. Es galt im Jahre 1687 besonders der Eroberung von Essek,vor welchem im Juli das kaiserliche Heer erschien. Zur Rettungdieser Stadt zog der Groß-Vezier mit einem regelmäßigen Heereund zwanzigtausend Tataren herbei. Er stellte sich den vom Herzogevon Lothringen und vom Kurfürsten Maximilian Emanuelgeführten kaiserlichen Truppen bei Moh ätsch entgegen; und hier,wo im sechzehnten Jahrhundert der letzte Madscharen-König aus demältesten Herrscherstamm im Sumpfe versunken, sein Heer geschlagenund zerstreut worden war (s. Th. XII., S. 119 f.), erfochten diechristlichen Truppen am 12. August 1687 einen glänzenden Siegüber die Türken. Diese wurden völlig geschlagen und verloren acht-zig Kanonen und zwanzigtausend Mann, während auf Seiten derSieger nur tausend Mann sielen. Essek ward hierauf den Letzterenübergeben, denen jetzt auch ganz Kroatien und Bosnien offen stan-den. Die Nachricht von dem Siege bei Mohatsch überbrachte demKaiser der Prinz Eugen von Savopen, welcher damals alsGenerallieutenant unter Ludwig von Baden diente. Der Groß-Ve-zier fand in Folge der erlittenen Niederlage für rathsam, abzudanken.Im Oktober marschirten die Kaiserlichen nach Siebenbürgen, woApaffi ihnen Festungen einräumen und für Lebensmittel sorgen mußte.