Band 
[Fünfzehnter Band.]
Seite
583
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Türkei und Nngnr» z» Mustapha Köprili's Zeit. 583

Finanzen und in der Verwaltung wieder her, und entriß den Chri-sten die gemachten Eroberungen.

Dieser neue Vezier war Mustapha Köprili, dessen VaterMohammed und dessen Bruder Ahmed für die größten Veziere desottomanischen Reiches galten. Er war, als er sein Amt antrat,zweiundfünfzig Jahre alt und weniger kriegerisch, als geschickt inder Verwaltung und Regierung eines Reiches, welches einen des-potischen, aber kräftigen Regenten erfordert. Wenn hier die innereGeschichte des türkischen Reiches, die wir nur gelegentlich berühren,ausschließlich behandelt werden dürste, so würden wir der Reformengedenken müssen, welche Mustapha Köprili während einer unglaub-lich kurzen Zeit in allen Zweigen der Verwaltung zu Standebrachte. Wir können für unseren Zweck blos seiner Verdienste umdas ganz zerrüttete Kriegswesen gedenken. Mustapha Köprili brachtees dahin, daß, während vorher jedermann sich dem Kriegsdiensteentzog, Alles zu den Fahnen eilte. Schon im Jahre 1690 konnteer mit einem zahlreichen und disciplim'rteu Heere aufbrechen, umNissa wieder zu erobern, während Ludwig von Baden in Ungarnund Siebenbürgen mit Tököli zu thun hatte. Dieser eroberte dannmit türkischer Hülfe Siebenbürgen und einen großen Theil vonUngarn, und ward vom Groß-Vezier wieder als Fürst eingesetzt.Der Groß-Vezier nahm Nissa nach einer Belagerung von dreiWochen ein, sowie gleich darauf in nur vier Tagen Semendria.Dann zog er gegen Belgrad, dessen Festungswerke zerfallen waren.Die Zahl der Truppen, welche der Groß-Vezier gegen Belgradführte, war an sich sehr groß, und er hatte außerdem noch alleasiatischen Paschas und den Khan der Tataren mit seinem ganzenRaubvolke zu sich entboten. Er beschloß daher, die Stadt mit Sturmzu nehmen. Schon am zwölften Tage bahnte eine Bombe, welchein das größte Pulver-Magazin von Belgrad fiel und dadurch einenTheil des Walles und der Mauern zerstörte, den sechszigtausend Tür-ken den Weg in die Stadt. Acht kaiserliche Regimenter, welche inBelgrad lagen, wurden fast ganz aufgerieben; denn es retteten sichvon ihnen nur sechshundert Mann. Der Vezier ließ die Festungs-werke ausbessern, und drängte, nachdem er eine Besatzung in Bel-grad zurückgelassen hatte, die Christen noch weiter zurück. Erst im