586 Geschichte der neueren Zeit.
schmeicheln wollte, angeführt; doch hatte in Wirklichkeit Capraraden Oberbefehl. Die Kaiserlichen belagerten Temeöwar, als derSultan an der Spitze von fünfzigtausend Mann herbeieilte. Siehoben auf die Nachricht davon die Belagerung sogleich auf, umden Türken entgegen zu ziehen, und es kam nicht weit von Olaschzu einer Schlacht, welche nach der Versicherung der deutschen An-nalisten von den Truppen des Kaisers, nach den türkischen Berich-ten aber, die Hammer mitgetheilt hat, von dem Sultan gewonnenwurde. Doch geben die Deutschen zu, daß sie ebenso viele Leuteverloren, als die Türken, und daß unter den Erschlagenen der Ge-neral Henßler war, der sich wie Dünewald im ganzen Kriegesehr ausgezeichnet hatte. Die Kaiserlichen behaupteten zwar dasSchlachtfeld; die Türken erreichten aber ihren Zweck: sie verstärk-ten die Besatzung von Temeswar und versorgten dieselbe mit neuenVorräthen.
Als im Jahre 1697 der Sultan seinen dritten Zug unternahm,erschien endlich Prinz Eugen, der in Italien entbehrlich gewor-den war, an der Spitze des kaiserlichen Heeres. Die Türken zogenlangsam, wie sie Pflegten, über Sophia nach Belgrad, und lagertensich, nachdem sie über die Temes, die Bega und die Theiß gegangenwaren, am linken Ufer des zuletzt genannten Flusses. Hier standensich im Anfange des September beide Heere in der Nähe des ander Theiß-Mündung gelegenen Schlosses Titel gegenüber. Am 11.September wollte der Sultan bei Zenta über die Theiß setzen.Prinz Eugen war ihm aber auf der Ferse gefolgt, und es kam zueinem Treffen, ehe noch das ganze türkische Heer über den Flußgegangen war. In diesem Treffen führte Guido von Stah-remberg den einen Flügel der Kaiserlichen, Graf Büssy Rabu-tin den anderen, Eugen selbst das Mittelheer. Der Kampf endigtemit der völligen Vernichtung des türkischen Heeres; denn kaumtausend Mann desselben entkamen jenseit des Flusses, mehr alszwanzigtausend blieben auf dem Platze, zehntausend fanden ihrenTod im Flusse, und fast alle angesehenen Offnere der Türkenwurden entweder von den Feinden oder von ihren eigenen erbitter-ten Soldaten erschlagen. Am Tage nach der Schlacht zogen dieKaiserlichen in das verlassene türkische Lager ein. Sie machten indemselben eine unermeßliche Beute. Diese bestand in dem ganzen