Band 
[Fünfzehnter Band.]
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Türkei und Ungarn. Mustapha II. und Leopold l. 585

Doch trieb sie Caprara von Peterwardein zurück, nachdem sie ihnin dieser Stadt lange und hart bedrängt hatten. Im Februar desJahres 1695 starb Sultan Achmed II. Sein Nachfolger, Musta-pha II., hatte den für einen orientalischen Monarchen sonderbaren! Einfall, bei seiner Thronbesteigung einen offenen Brief an seineUnterthanen zu erlassen und in demselben folgende Erklärung zumachen: „Der Verfall des Reiches unter den drei letzten Sultanen^ sei ganz allein der Nachlässigkeit der Herrscher und der Schlechtig-keit ihrer Stellvertreter, der Groß-Veziere, zuzuschreiben. DieseSultane hätten sich um die Regierung gar nicht bekümmert, undunter zehn Groß-Vezieren sei der einzige Ahmed Köprili ein Mannvon Talent gewesen. Der Sultan erkläre daher, daß er selbst nichtnur die Regierung führen, sondern sich auch sogleich an die Spitzedes Heeres stellen wolle, um von Belgrad aus nach Siebenbürgen' zu ziehen und dieses Land wieder zu erobern." Es schien damals,

i als wenn für die Osmanen eine bessere Zeit zurückgekehrt sei. Ihre

Flotten erfochten mehrere Seesiege über die Venetianer, welche aucheinen Theil ihrer Eroberungen auf den Inseln und an den KüstenDalmatien's und Albanien's wieder aufgeben mußten. Die Bun-desgenossen des Sultans, die Tataren der Krim, bedrängten diePolen und Russen, und eilten herbei, als der Sultan von Adria-nopel nach Belgrad aufbrach. Von dort zog er nach Temes-war, um die Besatzung dieser Stadt zu verstärken und mit Lebens-mitteln zu versorgen. Als er im September 1695 von Temeswarwieder aufbrach, fand er kein deutsches Heer vor, welches ihm hättegefährlich sein können. Er eroberte daher, ehe er, wie die Türkenzu thun Pflegten, im Spätherbst mit den Truppen nach Constanti-nopel zurückkehrte, drei Städte, welche damals für gut befestigt- gälten, Lippa, Lugos und Karansebes. Wichtiger, als diese Er-oberungen, war die gänzliche Vernichtung eines Heeres von meh-reren tausend Mann, mit welchem kurz vorher einer der tapferstenGenerale des Kaisers, der Jtaliäner Vetrani, der bei dieserGelegenheit selbst umkam, über die Temes gegangen war.

Für das folgende Jahr (1696) wurden vom Sultan die groß-artigsten Anstalten getroffen, weil Östreich ein neues Heer aufge-stellt hatte. Dieses ward dem Namen nach von dem KurfürstenFriedrich August!, von Sachsen, welchem der Kaiser dadurch