594 Geschichte der »eueren Zeit.
wandt war, aber nach der alten Erbfolge-Ordnung der Linie Neu-burg nachstehen mußte, zu ihrem angeblichen Rechte verhelfen wolle.Er ließ also durch seinen Gesandten in Regensburg gegen die Be-sitznahme der Pfalz von Seiten Neuburg's Protestiren, und schickteden Abbe Morel nach Heidelberg, um die betreffenden Urkunden zuprüfen. Dieser Abbö unterhandelte darauf mit den pfälzischen Be-amten mündlich, während am Reichstage die Sache schriftlich ver-handelt wurde. Schon im Jahre 1687 ward einleuchtend, daß manmit dem französischen Könige ohne Krieg nicht fertig werden könne.Ludwig entriß nämlich nicht nur dem deutschen Orden alle seineBesitzungen in Lothringen, Elsaß und Franche Comtö, und gab siedem von ihm gestifteten Lazarus-Orden, einem Filial der Jesuiten,sondern er ließ auch auf einer Rhein-Insel bei Hünningcn, welchezum Theil dem Markgrafen von Baden-Durlach gehörte, das FortLouis bauen und dasselbe durch eine Brücke mit dem deutschen Uferverbinden.
Schon im Jahre 1685 und 1686 waren Bündnisse geschlossenworden, um den weiteren Fortschritten der Franzosen Einhalt zuthun; zur That kam es aber erst dann, als die Franzosen das ganzelinke Rhein-Ufer noch einmal auf türkische und mongolische Weiseverheerten, und der Statthalter von Holland, welcher Ludwig'sMacht durch Schlauheit besiegte, auf den englischen Thron gebrachtworden war. Der Letztere war es, welcher die Generalstaaten imAugust 1685 bewog, ein im Jahre 1678 mit dem Kurfürsten vonBrandenburg geschlossenes, jetzt abgelaufenes Bündniß auf zwölfJahre zu verlängern und demselben die viermalhundertvierzigtau-send Gulden zu zahlen, die er von ihnen noch fordern zu dürfenglaubte. Im Anfange des Jahres 1686 erneuerten die Generalstaa-ten auch ihr Bündniß mit dem Könige von Schweden; und dieserschloß sogar mit dem Kurfürsten von Brandenburg einen Bund zurAufrechthaltung des westphälischen und des Nymwegener Friedens, so-wie des zwanzigjährigen Waffenstillstandes von 1684. Ebenso verbün-dete sich der Kurfürst von Brandenburg mit dem Kaiser durch einen ge-heimen Vertrag, welcher im Frühjahre 1686 zu Berlin geschlossen wurde,auf zwanzig Jahre. Endlich ward noch, worauf wir später ausführ-licher zurückkommen werden, im Juli 1686 zwischen mehreren Staa-ten der sogenannte große Augsburger Bund geschlossen, in